Proberunde in Cadillacs eurokompatiblem SUV XT4

Cadillac ist bekannt für üppige Limousinen und riesige SUV. In den USA funktioniert das, in Europa konnte man damit nicht punkten. Der Kompakt-SUV XT4 soll das ändern. Was klappen könnte. Wir konnten uns davon auf einer kurzen Proberunde überzeugen

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Cadillac
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Jürgen Wolff
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So richtig Fuß fassen konnte Cadillac in Europa noch nie. Nicht zuletzt dürfte das an den Modellen gelegen haben. Schlachtschiffe wie der 5,2 Meter lange Escalade etwa sind nicht gerade auf die Standardmaße deutscher Parkbuchten hin konstruiert. Alles in allem kam Cadillac vergangenes Jahr in Deutschland auf gerade mal 496 Neuzulassungen. Nun versucht es die GM-Tochter mit dem in Kansas City gebauten XT4. Er bringt einiges mit, was ein erfolgreiches Auto hierzulande braucht:

Erstens: Er ist ein SUV. Kein anderes Fahrzeugsegment wächst in Europa derzeit so stark. Allein im vergangenen Jahr war jedes dritte neu verkaufte Auto ein SUV, die Zuwachsraten liegen bei fast 20 Prozent.
Zweitens: Der Kompakt-SUV kommt in europakompatiblen Abmessungen. Er ist mit 4599 mm Länge, 1881 mm Breite und 1627 mm Höhe genau in das Feld der Mitbewerber aus Audi Q5 (Test), BMW X3 (Test), Mercedes GLC (Test), Volvo XC60 (Test) & Co. eingepasst.
Drittens: Als Antrieb dient ein sozialverträglicher Ottomotor mit Aufladung und vier Zylindern. Auch ein Dieselmotor ist geplant – „der erste Diesel, den Cadillac seit langem, langem in eines seiner Autos einbaut“, sagt Felix Weller, Vice President von Cadillac in Europa, Russland und Mittelost.
Viertens: Mit einem Einstandspreis von voraussichtlich rund 35.000 Euro wird der XT4 auch ins europäische Preisgefüge passen – anders als etwa der Escalade, der mehr als 100.000 Euro kostet und immer noch weniger als die Limousine ATS, die mit 37.400 Euro aktuell noch der preiswerteste Cadillac in Europa ist. Die meisten von Leistung und Komfort her vergleichbaren SUV aus deutscher Produktion sind deutlich teurer.

Proberunde in Cadillacs eurokompatiblem SUV XT4 (24 Bilder)

Einen Hinguck-Effekt erzeugt die Front des Cadillac XT4 auf jeden Fall. Der Rest fügt sich äußerst stromlinienförmig ins europäische SUV-Maß.

Was dürfen die Kunden für ihr Geld erwarten? Zunächst einmal ein sehr eigenständiges Design. Der üppige Kühler mit Wabenstruktur und dem Cadillac-Logo ragt fast senkrecht auf. Um so dezenter die leicht coupéhafte Seitenansicht mit ihren kurzen Überhängen und auch das Heck mit seiner gerundeten Dachlinie. Serienmäßig sind 18-Zoll-Räder montiert. Von hinten betrachtet fällt der XT4 dagegen unter seinen europäischen und asiatischen Pendants kaum auf.

Elegant und gediegen der Innenraum. Die Zeigerinstrumente werden mit einem entsprechend variabel definierbaren Bildschirm in der Mitte kombiniert. In der Mitte des Cockpits thront ein großer Berührungsbildschirm mit Bediensystem für fast alle Funktionen, wie etwa Audio oder Navigation. Leider hat die Digitalisierung nicht dazu geführt, die Vielfalt der Bedienknöpfe rund um die Klimaanlage auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Der Rückspiegel oben an der Windschutzscheibe zeigt den Blick nach Achtern auf Wunsch auch über eine Videokamera.

Materialien und Verarbeitung im Innenraum machen einen guten Eindruck – nicht selbstverständlich für ein Auto aus amerikanischer Fertigung. Die Sitze sind komfortabel und vielfältig einstellbar, das Dreispeichen-Lederlenkrad lässt sich in Tiefe und Neigung verstellen. Der Schalthebel der sanft schaltenden 9-Gang-Automatik ist gut erreichbar, Stauraum ausreichend vorhanden. Was den Platz in dem 5-Sitzer generell angeht: vorne fast schon üppig, in der zweiten Reihe vergleichbar mit europäischen SUV – gut ausreichend also auch für längere Strecken, falls man die Vordersitze nicht ganz nach hinten fährt. Größere Passagiere können hinten am ehesten Probleme mit der Kopffreiheit bekommen. Eher bescheiden: der Kofferraum mit bis zu 1385 Liter.