Im Gehirn des Wählers
Experten behaupten, unbewusste politische Präferenzen besser erahnen zu können als die Wähler selbst. Nun wollen sie ihre Tricks zur Wahlwerbung einsetzen.
- Elizabeth Svoboda
Maria Pocovi schiebt ihren Laptop zu mir rĂĽber. Ăśber die Webcam sehe ich mein eigenes Gesicht, ĂĽberlagert von weiĂźen Gitterlinien. Daneben sechs Balken: GlĂĽck, Ăśberraschung, Ekel, Angst, Wut und Trauer. Ă„ndert sich mein Ausdruck, bewegen sich die Balken, als wären meine GefĂĽhle ein Audiosignal. Nach einigen Sekunden blinkt ein kräftiges grĂĽnes Wort auf: Sorge.Â
GroĂźe Parteien nutzen die Dienste der Neuroberater
Pocovi ist GrĂĽnderin des Emotion Research Lab (ERL) im spanischen Valencia. Ihre Software steht an der Spitze einer stillen politischen Revolution: Kampagnen auf der ganzen Welt beauftragen das ERL und ähnliche Dienstleister, um verborgene GefĂĽhle der Wähler zu erforschen. Pocovi selbst hat bereits fĂĽr groĂźe Parteien in Lateinamerika gearbeitet. Insider sagen, dass immer mehr Kampagnen solche Werkzeuge nutzen – auch wenn sie es ungern zugeben.Â
Mit von der Partie soll auch SCL sein, die Muttergesellschaft des berĂĽchtigten Unternehmens Cambridge Analytica. Die inzwischen geschlossene Datenfirma hatte versucht, anhand von Facebook-Posts die Empfänglichkeit von Menschen fĂĽr politische Botschaften einzuschätzen – mit sehr zweifelhafter wissenschaftlicher Grundlage.Â
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