Komma lässt Rechner im NRW-Landtag abstürzen
Die Abschaltung des Mail-Servers im Landtags von Nordrhein-Westfalen entpuppt sich als Problem des Netscape Messenger.
Gestern musste der Landtag von Nordrhein-Westfalen seinen Mail-Server vorübergehend abschalten, weil E-Mails aufgetaucht waren, die den Netscape Messenger 4.6 und 4.7 zum Absturz brachten. Einige Stimmen vermuteten sogar eine gezielte Viren-Attacke; das Problem liegt nach Auskunft des Landtags jedoch beim Netscape Messenger selbst.
Eine Schule hatte sich in einer Rundmail an alle 231 Abgeordneten des Landtages über den geringen Sold für ihre Lehrer beschwert. Diese Mail war in Microsoft Word geschrieben worden; auch die Liste der E-Mail-Adressen der Abgeordneten wurde – säuberlich mit einem Semikolon getrennt – in Word abgefasst. Da der Rechner der Schule zum Verschicken von Mails jedoch unter Linux läuft, wurde die Mail samt der Adressenliste nun von Word in das Mail-Programm elm übertragen. Wenn bei elm mehrere Adressaten eingegeben werden, trennt das Programm diese automatisch durch ein Komma. So enthielt die Adressatenliste der E-Mail dann viele aufeinanderfolgende Semikolon-Komma-Einträge.
Nach Auskunft der Pressesprecherin des Landtags waren diese Semikolon-Komma-Einträge in der Adressenleiste der Mails dafür verantwortlich, dass die Netscape-Versionen 4.6 und 4.7 abstürzten. Version 4.5 und Microsoft Outlook waren nicht betroffen. Bei einem kurzen Test in der c't-Redaktion ließ sich das Problem allerdings bislang nicht verifizieren. Von den Programmabstürzen waren nach Angaben des Landtags die Rechner von etwa 30 bis 50 Abgeordneten betroffen. Techniker mussten erst die besagten Mails von den Client-Rechnern manuell entfernen, bevor Netscape wieder lief. Der Mail-Absender der Schule wurde bis auf weiteres auf dem Server des Landtags gesperrt. (hag)