Hanf auf Rezept: Lieber als Pille oder TĂĽte?
Seit 2017 gibt es in Deutschland Medizinalhanf. Die Nachfrage unter Patienten ist groĂź. Aber welcher Stoff der beste ist, darĂĽber herrscht Uneinigkeit.
- Susanne Donner
Es gibt tatsächlich Eltern, die finden, dass Cannabis das Beste für ihr Kind ist. Besser als gewisse Tabletten jedenfalls. Ihr Kind leidet unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS, ist rastlos, kann in der Schule kaum folgen. Gewöhnlich verschreiben Ärzte diesen Kindern Methylphenidat, unter dem Handelsnamen Ritalin bekannt. Doch das Medikament hat Nebenwirkungen. Sehr häufig macht es schlaflos und reizbar. Eine wachsende Schar unter den Skeptikern glaubt sogar, dass es längst etwas Besseres gibt: Hanf. Sie bauen die Pflanzen selbst für ihre Kinder an. Oder sie suchen sich einen Arzt, der ihnen die Blüten in medizinischer Qualität verschreibt. Diese Erfahrung hat die Psychologin Eva Hoch von der Ludwig-Maximilians-Universität München gemacht.
Hanf gegen ADHS, Epilepsie und Migräne
Medizinalhanf darf in Deutschland seit März 2017 Kranken verordnet werden, denen nichts anderes hilft. Generell als Medikament zugelassen ist er nicht, deshalb entscheiden die Krankenkassen auf Antrag, ob sie die Kosten von rund 20 Euro pro Gramm erstatten. Innerhalb eines Jahres, bis März 2018, kamen rund 43.000 Rezepte zusammen. Die Betroffenen haben neben ADHS auch multiple Sklerose, Epilepsie, Migräne oder chronische Schmerzen. Aber es hätten auch doppelt so viele Rezepte sein können, denn jeder zweite Antrag wird abgelehnt.
Ein Grund dafür ist der Mangel an aussagekräftigen Studien zur Wirkung von Cannabis. Meist sind es nicht mehr als Beobachtungen. Franjo Grotenhermen etwa, prominentester Cannabisfürsprecher und Arzt in Nordrhein-Westfalen, berichtet von 30 erwachsenen Patienten, bei denen er "gute Erfahrungen gemacht" habe. Mit unterschiedlichen Hanfsorten habe er ihre Unruhe dämpfen und ihren Schlaf verbessern können. Von einer wirklichen klinischen Studie sind seine Beobachtungen allerdings weit entfernt, in einem Fachjournal veröffentlicht hat er seine Ergebnisse nicht.
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