Info-War: Hamas-Website auf Porno-Site umgelenkt
Der bislang letzte Akt im israelisch-palästinensischen Cyberwar ist vermutlich eine Reaktion auf die Übernahme der Verantwortung für den Terroranschlag am Sonntag.
Der bislang letzte Akt im israelisch-palästinensischen Cyberwar, ein Angriff auf die Webseite der Hamas, ist vermutlich eine Reaktion auf die Übernahme der Verantwortung für den Terroranschlag am Sonntag.
Gestern hatte sich Izzadin Kassam, der militärische Flügel der Hamas, zu dem Bombenanschlag am Sonntag in Netanya bekannt, durch den der Attentäter und drei israelische Bürger getötet und Dutzende von Menschen verletzt wurden. Der Selbstmordattentäter war angeblich der 23-jährige Ahmed Omar Alian. Er sei nur der erste von 10 Selbstmordattentätern gewesen, die nach Israel eindringen wollen.
Vermutlich als eine Reaktion auf dieses Bekenntnis werden seit gestern von Unbekannten die Besucher der offiziellen Website der Hamas auf eine Porno-Site umgelenkt. Auch heute noch gelangt man, wenn man www.hamas.org eingibt, auf die Porno-Sites Hotmotel.com oder Teenjuice.com. Während ansonsten Angreifer, die aus politischen Gründen in einen Server eindringen, ihre Parolen und Ansichten mitsamt ihren Pseudonymen nennen, ist bislang völlig unbekannt, wer diese Umleitung aus welchen Gründen gemacht haben könnte.
Anzunehmen ist freilich, dass es sich um pro-israelische Aktivisten handeln dürfte, die nun den schon seit Oktober schwelenden Kampf im Internet fortsetzen, der allerdings in letzter Zeit etwas eingeschlafenen ist(siehe auch Intifada im Cyberspace). Bislang wurden wechselseitig von pro-palästinensischen und pro-israelischen Sympathisanten gegnerische Websites von Ministerien, Organisationen und Firmen lahmgelegt oder verändert. Auch eine jüdische Website in den USA wurde ausgeschaltet. Die Websites einiger israelischer Ministerien waren über Wochen nicht erreichbar. Die Auseinandersetzung galt als einer der ersten "Kriege" im Cyberspace. Im Januar wurde ein israelischer Jugendlicher sogar von einer mittlerweile festgenommenen Frau, die ihn über das Internet kennen gelernt hatte, nach Ramallah gelockt und dort ermordet (Vom Cyberwar zum Mord, der übers Internet eingeleitet wurde).
Scheich Ahmed Yassin, der religiöse Führer der Hamas, beschuldigte jetzt den israelischen Geheimdienst, für die Umleitung verantwortlich zu sein. Er würde damit versuchen, das "Bild des Islams und der Muslims zu entstellen". Das seien die Leute, so der Scheich weiter, "die unser Blut vergießen und jeden Tag unsere Leute abschlachten, sodass es für sie nicht schwierig ist, so etwas zu machen. In dem Maße wie ihre Wut und das Feuer wächst, werden sie alle verrückten Mittel ausprobieren, um es zu löschen." Man werde sich an Internetexperten wenden, um jeden Crack-Versuch in Zukunft zu verhindern. (fr)