Ein Pflaster misst den Blutdruck

Normalerweise wird der Blutdruck mit einer Manschette um den Oberarm gemessen. Sheng Xu von der University of California in San Diego reicht dafĂĽr ein Bapperl.

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Ein Pflaster misst den Blutdruck

(Bild: UC San Diego)

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Von
  • Rachel Metz

Diese Technik ist nicht nur praktischer, sondern auch genauer: Manschetten ermitteln lediglich den Blutdruck der Arterien, und die verlieren im Laufe des Lebens an Elastizität, was die Werte verfälscht.

Das Pflaster von Xu hingegen misst den zentralen Blutdruck der großen Hauptschlagader (Aorta). Dies ist bisher nur mit aufwendigen Geräten möglich, die mit Sensoren auf der Haut die vom Herz erzeugten Druckwellen in den Gefäßen auswerten ("Pulswellenanalyse").

Im Gegensatz dazu arbeitet das Pflaster mit Ultraschall. Es ist so groĂź wie eine Briefmarke und besteht aus Silizium-Elastomeren. Diese senden Wellen aus, die Haut sowie Gewebe durchdringen und vom Blut reflektiert werden. Diese Reflexionen nimmt ein Sensor auf und leitet sie an einen Laptop weiter, der die Blutdruckdaten verarbeitet. DafĂĽr muss das Pflaster mit dem Laptop und einer Stromquelle verbunden werden.

Xu zufolge könnte das Pflaster etwa zu Hause verwendet werden, um Patienten längerfristig zu überwachen: "Man kann ja nicht die ganze Zeit eine Blutdruckmanschette tragen."

Eine jetzt im Magazin "Nature Biomedical Engineering" veröffentlichte Studie zeigte bereits, dass das Pflaster den zentralen Blutdruck kontinuierlich und genau überwachen konnte. Das gelang an verschiedenen Stellen des Körpers. Am Hals war das Pflaster allerdings am effektivsten.

In ihrer Veröffentlichung verglichen es die Forscher mit einem Gerät zur Pulswellenanalyse. Die Abweichungen zum Pflaster waren nur minimal. Als Goldstandard zur Messung des zentralen Blutdrucks gelten jedoch Katheter mit Sensor, die in der Nähe des Herzens eingeführt werden. Deshalb will Xus Team in einem nächsten Schritt das Pflaster mit solchen Kathetern vergleichen.

Der Kardiologe Eric Topol vom Scripps Research Institute in Kalifornien weist auf einen Zusatznutzen des Pflasters hin. Direkt an der Halsvene könnte es ebenfalls messen, wie viel Blut ins Herz fließt. Das könnte helfen zu erkennen, ob jemand dehydriert sei.

Xu, der in diesem Jahr von der US-Ausgabe der TR als einer der 35 Innovatoren unter 35 Jahren ausgezeichnet wurde, glaubt aber überdies noch an Anwendungen jenseits der Medizin. Das Pflaster könnte etwa helfen, kleine Risse in Flugzeugbauteilen zu finden.

(bsc)