Bulmahn: Akademikermangel gefährdet den Aufschwung

Der Mangel an Informatikern, Ingenieuren und anderen Akademikern gefährdet nach Auffassung der Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn zunehmend den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland.

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  • dpa

Der Mangel an Informatikern, Ingenieuren und anderen Akademikern gefährde zunehmend den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland, äußerte heute die Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn in einem Bericht der Bundesregierung Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands. Jedes sechste Unternehmen aus Industrie und Dienstleistung klage inzwischen über Fachkräftemangel und müsse deswegen fest eingeplante Innovationsprojekte strecken oder abbrechen.

Allein in der Informations- und Kommunikationsbranche werden einer aktuellen Untersuchung zufolge bis Ende nächsten Jahres bis zu 350 000 Spezialisten benötigt, davon rund 50 Prozent mit akademischer Ausbildung. Bereits im ersten Halbjahr 2000 konnte dort schon fast jede zweite offene Stelle nicht besetzt werden. Es fehlten 93 000 Spezialisten, zum größten Teil Akademiker.

Zwar sei die Zahl der Studienanfänger in Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau in jüngster Zeit gestiegen - allein in Informatik gab es zum Wintersemester ein Drittel mehr Studienanfänger - doch reiche dies immer noch nicht aus. Abiturienten reagierten bei ihrer Studienentscheidung in der Regel erst ein bis zwei Jahre verspätet auf die Signale des Arbeitsmarktes, sagte Bulmahn.

Die Ministerin gab der jahrelangen Sparpolitik beim BAFöG Mitschuld an der geringen Studierneigung der jungen Menschen. "Wenn in Deutschland nur 28 Prozent eines Jahrganges die Hochschule besuchen - dann passt das nicht mehr zum Anspruch einer modernen Industrienation", sagte sie. Mit einer zum 1. April in Kraft tretenden BAFöG-Reform will die Bundesregierung die Studierneigung auch finanziell schlechter Gestellter wieder stärker fördern. – Im Durchschnitt der OECD-Staaten studieren inzwischen 40 Prozent eines Jahrganges, und in den USA, in Japan und Frankreich sind es heute deutlich mehr.

Auf den Fachkräftemangel reagieren die Unternehmen verschieden: Ingenieurstellen werden dem Bericht zufolge lieber unbesetzt gelassen als fachfremd besetzt. In der Computer- und Medienbranche werden dagegen Abstriche gemacht und auch Studienabbrecher mit Teil-Kenntnissen eingestellt. Alternativ werden gerne auch Elektro- und Maschinenbauingenieure, Mathematiker und Physiker genommen, was wiederum zu Engpässen in anderen Branchen führt. Auch förderten immer mehr Betriebe die Umschulung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

Viele Unternehmen gingen heute zudem direkt in die Hochschulen und würben um Fachkräfte, heißt es weiter. Zwei von fünf Unternehmen würden bei Erleichterung der Arbeitserlaubnis wie bei der Green-Card-Regelung auch mehr Ausländer einstellen.

20 bis 25 Prozent des jährlichen Wirtschaftswachstums in Deutschland werden heute dem zunehmenden Einsatz der Informations- und Kommunikationstechniken zugerechnet. "Die Zukunftsmusik" im deutschen Pharmasektor spiele die Biotechnologie. Patente und Innovationen kommen dabei verstärkt direkt aus den Hochschulen, oft auch in Verbindung mit kleineren Unternehmen. Die Pharmakonzerne konzentrierten sich auf die teurere klinische Forschung, gerieten aber auf Grund mangelnder Innovationskraft seit Mitte der 90er Jahre zunehmend ins Hintertreffen gegenüber ausländischen Konkurrenten.

Zehn Jahre nach der Vereinigung hätten die Unternehmen in den neuen Bundesländern inzwischen an ihre alten technologischen Kompetenzen aus DDR-Zeit anknüpfen können. Sie verzeichneten beachtliche Erfolge in den Bereichen Optik, Fahrzeugbau, Medizintechnik und Polymere (Kunststoffe). Allerdings seien die Exporterfolge im Vergleich zu den alten Ländern immer noch begrenzt.

Der 200-seitige Bericht der Bundesregierung ist im Originalwortlaut als PDF-Dokument beim Bundesministerium fĂĽr Bildung und Forschung downloadbar. (dpa)/ (klp)