Wie der Jugendschutz seine Scheu vor Pixelblut in Spielen verlor

Früher war es die überzogene Gewaltdarstellung in PC-Spielen, heute nimmt der Jugendschutz längst andere Aspekte ins Visier, die Jugendliche gefährden können.

Artikel verschenken
vorlesen Druckansicht 45 Kommentare lesen
Wie der Jugendschutz seine Scheu vor Pixelblut in Spielen verlor
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Peter Kusenberg
Inhaltsverzeichnis

Sub-Zero aus "Mortal Kombat" zerrte bereits 1992 den Kopf mitsamt Wirbelsäule aus dem Körper seiner Gegner. Zwei Jahre später beschlagnahmte die heute als Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) bekannte Behörde jenes Spiel gemäß Paragraph 131 StGB. Dieser stellt mediale Darstellungen unter Strafe, die "grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen". Etwa zur gleichen Zeit beschlagnahmte die Prüfstelle den Shooter "Wolfenstein 3D" sogar wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole in Form von Hakenkreuzen.

Beinahe alle klassischen Shooter der 1990er Jahre erlebten eine Indizierung, darunter "Doom", "Quake 2" und "Duke Nukem 3D". Bei "Half-Life" programmierte der Hersteller 1998 eine speziell an das deutsche Jugendschutzgesetz (JuSchG §§ 15ff.) angepasste Version, in der das Blut getöteter Gegner grün eingefärbt war und deren Leichen automatisch verschwanden.

Den grünblütigen 90ern folgten die "Killerspiel"-hysterischen 2000er Jahre. 2006 schrieb der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein: "Namhafte Wissenschaftler haben die Auswirkungen der Medien auf die Gewaltbereitschaft Jugendlicher analysiert. Sie kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass gewalthaltige Medien die Bereitschaft zum gewalttätigen Handeln erhöhen können." Beckstein inszenierte sich zu jener Zeit als entschlossener Vorkämpfer wider die vermeintliche Unkultur der "Killerspiele", wie er gewalthaltige Digitalspiele nannte. Dass das wissenschaftliche Fundament seiner Thesen nicht "übereinstimmend" gebildet wurde, sondern Lücken aufwies von der Größe der Höllenschlünde aus Doom, ignorierte Beckstein ebenso wie ein Großteil der deutschen Presse.

Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels "Wie der Jugendschutz seine Scheu vor Pixelblut in Spielen verlor". Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.