US-Expertenkomitee sieht Online-Wahlen noch in weiter Ferne
Erst muss noch eine Vielzahl von Problemen, vor allem bei Sicherheit und Zuverlässigkeit, gelöst werden, bevor Internetwahlen praktikabel werden.
Ein jetzt veröffentlichter Bericht von US-Experten fasst die Einschätzung zu Wahlen mittels Internet zusammen. Quintessenz: Internetwahlen sind kein Allheilmittel, überdies wird die Durchführung von Internetwahlen aus zahlreichen Sicherheitsgründen noch lange Zeit dauern. Das Weiße Haus forderte Ende 1999 die National Science Foundation (NSF) dazu auf, einen Bericht über die Aussichten und Anforderungen für Internetwahlen durchzuführen. Beauftragt wurde damit das unabhängige Internet Policy Institute (IPI). Es führte zusammen mit dem Freedom Forum und der Universität von Maryland im Oktober 2000 einen Workshop durch, an dem Experten aus der Politologie und der Informatik, aus den Wahlbehörden und der Wirtschaft teilnahmen.
Der Bericht unterscheidet nun drei Formen von Internetwahlen. Werden Online-Wahlverfahren auf Computern in Wahllokalen oder an bestimmten Orten (kiosk voting) durchgeführt, so seien die meisten der Sicherheitsprobleme mit bereits vorhandener Technik zu lösen. Online-Wahlen hingegen, bei denen die Bürger praktisch von allen Computern, gleich ob sie zu Hause oder in der Arbeit stehen, wählen können, stellen für das Komitee noch ein erhebliches Risiko dar. Zwar könne man dadurch das Wahlverfahren bequemer machen und besonders für Alte und Kranke die Teilnahme erleichtern, doch die Sicherheitsprobleme ließen sich gegenwärtig auch nicht mit den neuesten Techniken beheben.
Schon jetzt sei die Registrierung der Wahlberechtigten einer der schwächsten Punkte im Wahlverfahren. Für die "absehbare Zukunft" sei nicht an die Einführung einer Online-Registrierung zu denken. Auch sonst sind nach dem Bericht viele Sicherheitsprobleme noch zu lösen. Beispielsweise müssten Vorkehrungen vorhanden sein, die Angriffe mit Trojanischen Pferden oder anderen Programmen zur Fernsteuerung verhindern oder DDoS-Angriffe abwehren. Insgesamt warnt der Bericht, dass bei voller Berücksichtigung der Sicherheit das Wahlverfahren über das Internet möglicherweise so kompliziert werden könnte, dass die Vorteile davon aufgefressen werden.
Aber es sind nicht nur die Sicherheitsprobleme, die Online-Wahlen schwierig machen, sondern es kommt neben der Interoperabilität auch auf die Zuverlässigkeit an. Diese könne durch eine Vielzahl von möglichen Pannen und Ausfälle, was die Server, Clients und die Kommunikationsverbindung anbelangt, beeinträchtigt werden. Computer können abstürzen, das Netz kann überlastet sein, Programme können fehlerhaft arbeiten. Es können Probleme mit der Stromversorgung auftreten oder eben auch Angriffe von Crackern stattfinden. Und natürlich spielt sich alles wie immer beim Internet auch nicht nur im eigenen Land ab. Andere Staaten oder Cracker aus dem Ausland könnten versuchen, die Wahlsysteme anzugreifen oder Betrügereien vorzunehmen. Müsste es also nicht internationale Abkommen geben, um solche Übeltäter zumindest der Gerichtsbarkeit zuführen zu können? Und wer ist schließlich für die Wahl verantwortlich? Nur die Behörden oder auch die Anbieter der Software und Hardware? "Die Sicherheitsprobleme, die entstehen könnten, könnten auch die Legitimität des Wahlprozesses untergraben", warnt David Cheney vom IPI. "Wir müssen die Mythen zerstören, die mit der Internetwahl verbunden sind, und die Beamten darüber aufklären, dieses Szenario zu vermeiden."
Mehr in Telepolis: Viele Probleme sind für die Durchführung von Online-Wahlen noch zu lösen. (fr)