Google bläst mit neuem Berliner Büro zur Bildungsoffensive

Google hat ein rund 8500 Quadratmeter großes Haus in der Hauptstadt eröffnet. Die dortige "Zukunftswerkstatt" soll dem lebenslangen Lernen dienen.

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Google bläst mit neuem Berliner Büro zur Bildungsoffensive

(Bild: heise online / Stefan Krempl)

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Google will sein neubezogenes Gebäude in der ehemaligen ersten Universitäts-Frauenklinik in Berlin vor allem der Weiterbildung eigener und externer Mitarbeiter widmen. Er freue sich darauf, das vor gut zwei Jahren von ihm angekündigte Programm "Zukunftswerkstatt" für digitale Bildung "mit einer neuen physischen Präsenz weiter auszubauen", erklärte Google-Chef Sundar Pichai am Dienstag in Berlin.

Über die "Zukunftswerkstatt" haben laut Pichai bisher über 500.000 Personen an Trainings und Schulungen teilgenommen. Fast 10.000 davon hätten sich allein 2018 anschließend beruflich weiterentwickeln können. Philipp Justus, Vizepräsident Google Zentraleuropa, unterstrich, dass das US-Unternehmen den neuen Standort für eine Bildungsoffensive nutzen wolle. Die Zukunftswerkstatt solle dort mit speziellen Lernräumen sowie Online-Kursen zu Online-Marketing oder Maschinenlernen ausgeweitet und eine "Plattform für digitale Bildung" geschaffen werden.

"Wir wollen bis 2020 zwei Millionen erreichen mit Partnern wie der Dienstleistungsgesellschaft Verdi und IHKs, die die Bedürfnisse der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber kennen", kündigte Justus an. Mit einer "Basis-Box" für digitale Grundkompetenzen solle es darum gehen, das Konzept des lebenslangen Lernens innerhalb der Gesellschaft zu verinnerlichen, konkretisierte Sabine Frank, Leiterin Regulierung und Jugendschutz bei dem Konzern. Die Grundlage dafür stelle ein digitales Online-Portal dar, über das man sich aber auch für Kurse am neuen Standort bewerben könne. Im Anschluss sei es möglich, das erlernte Wissen in ein offizielles IHK-Zertifikat umzumünzen.

Google eröffnet neues Büro in Berlin (12 Bilder)

Außenansicht des neuen Google-Büros in Berlin.
(Bild: heise online / Stefan Krempl)

In das denkmalgeschützte, von den Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden gestaltete Schmuckstück am Rand des Forums Museumsinsel werden zunächst rund 130 "Googler" aus den Bereichen Marketing, Cloud, Google Play, Lobbying und Recht, Startups sowie YouTube mit einem geplanten eigenen Produzentenzentrum arbeiten. Dazu kommen einige KI-Forscher, die sich mit Grundlagenforschung und Anwendungen wie Deep Learning beschäftigen.

Berlin habe sich auch zu einem "Zentrum der Startup-Szene und zu einem Innovationsmotor" entwickelt, sagte Pichai. Einen Plan für ein Gründerzentrum in Kreuzberg musste Google aufgrund des Widerstands von Gentrifizierungsgegnern aber vor Kurzem beerdigen. "Das hat unsere Begeisterung für neue Projekte in Berlin nicht geschmälert", betonte Justus.

Insgesamt sind über 1400 Google-Mitarbeiter in vier deutschen Büros tätig, darunter die Zentrale in Hamburg mit 400 Angestellten und das Entwicklungszentrum mit rund 700 Personen in München. Pichai führte aus: "Viele der wichtigsten Google-Produkte, darunter auch einige unserer globalen Werkzeuge zum Schutz der Privatsphäre, wurden von unseren deutschen Ingenieuren entwickelt."

Da passt es nicht ins Konzept, dass die französische Aufsichtsbehörde CNIL gerade eine Strafe in Höhe von 50 Millionen Euro wegen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verhängt hat. "Wir haben uns sehr gut auf die Umsetzung der DSGVO vorbereitet", kommentierte Justus den Fall. In allen Produkten hätten die Entwickler geschaut, "dass wir die Anforderungen erfüllen", europaweit gleich". Wenn es aber noch Nacharbeitsbedarf gebe, "werden wir dem entsprechend nachkommen".

Insgesamt finden rund 300 Mitarbeiter in dem "neuen" Haus auf etwa 8500 Quadratmetern Platz, gut doppelt so viel wie im alten Berliner Verbindungsbüro Unter den Linden. Erstmals gibt es für sie eine richtige Küche mit Pizzaofen. Das passt, da der US-Konzern das Gebäude vom Pizzabäcker "Freiberger" gemietet hat. Zudem warten in vielen Ecken "Micro Kitchen" mit eigenem Barista auf die Beschäftigten, damit diese es nie weiter als 30 Meter haben, um sich mit frisch gebrühtem Kaffee oder Snacks zu versorgen.

Zu den verschiedenen Annehmlichkeiten gehören ein Fitnesscenter und ein kleiner Massageraum, der aber nur einmal pro Woche fest besetzt sein wird. Die größeren Arbeits- und Meetingräume haben wieder eingängige Namen, die an Berliner Clubs oder Kneipen wie Berghain, Cookies oder Kumpelnest 3000" erinnern. Verewigt werden dort auch legendäre Songs rund um die Spree wie "Dickes B", "99 Luftballons" oder "Heroes". (anw)