Insolvenzverwalter sucht Käufer für TelDaFax

Eigentlich sollte es World Access richten und die Rechnungen für TelDaFax bei der Telekom begleichen; doch die US-Firma ist selbst vom Konkurs bedroht.

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Eigentlich sollte es das amerikanische Telekommunikationsunternehmen World Access richten und die Rechnungen für die angeschlagene TelDaFax bei der Deutschen Telekom begleichen. Doch trotz gegenteiliger Zusagen gegenüber TelDaFax kam es laut einem Sprecher des Unternehmens bis zum heutigen Donnerstagmorgen zu keiner Lösung der Probleme.

Dahinter könnten aber nicht nur Streitereien mit der Telekom stecken, sondern auch eigene Probleme des vermeintlichen Retters: So wurde World Access nach eigenen Angaben jetzt davon in Kenntnis gesetzt, dass mehrere Inhaber von Schuldscheinen des Unternehmens ("Noteholder") einen Antrag auf zwangsweise Konkurseröffnung eingereicht haben. Das Unternehmen erörtert den Antrag derzeit zusammen mit seinen Beratern und möchte sich mit den Antragstellern zusammensetzen, um zu ermitteln, ob eine Vereinbarung erreicht werden kann.

Angesichts dieser Probleme ist fraglich, ob der Plan des Aufsichtsrates von World Access, TelDaFax zu retten, auch wirklich von den Noteholdern genehmigt wird. Und ohne deren Zustimmung fließen keine finanziellen Mittel.

Insolvenzverwalter Bernd Reuss sucht deshalb weiter nach einem Käufer für TelDaFax. Zahlreiche Wettbewerber wie etwa die MobilCom hätten Interesse angemeldet, verkündete ein TelDaFax-Sprecher gegenüber heise online. MobilCom-Sprecher Torsten Kollande dementierte das jedoch: "Der Insolvenzverwalter hat uns angeboten, das Unternehmen mit 170.000 Kunden für 400 Millionen Mark zu kaufen. Das ist viel zu teuer".

Die Marburger TelDaFax schuldet der Telekom rund 90 Millionen Mark (46 Millionen Euro). Am heutigen Donnerstagmittag um 12.00 Uhr kappte die Deutsche Telekom deshalb wie angekündigt alle Leitungen des Unternehmens. Für die Kunden wirkt sich dies unterschiedlich aus. Laut TelDaFax lässt sich die Call-by-Call-Vorwahl 01030 gar nicht mehr nutzen, während Preselection-Kunden über die Call-by-Call-Vorwahlen anderer Anbieter weiter telefonieren können. Wer einen Router über TelDaFax betreibt, wird ohne Vorwarnung auf die Telekom umgestellt. Die Hotline ist angesichts der vielen Kundeanfragen mittlerweile zusammengebrochen, als neue Nummer gibt das Unternehmen die Telefonnummer 0 64 21/1 81 00 an.

Dass die Lage für das Unternehmen recht aussichtslos zu sein scheint, zeigt die Aussage eines TelDaFax-Sprechers gegenüber heise online. Anstatt Durchhalteparolen an die Kunden auszugeben, meinte er resigniert: "Wir empfehlen unseren Kunden, selbst zu entscheiden, wie sie mit den Einschränkungen, die wir sehr bedauern, fertig werden." (axv)