Biogas für den höchsten Berg der Welt
In Nepal soll die Natur des Mount Everest künftig besser geschützt werden.
(Bild: Shutterstock)
- Malte Kanter
Als Edmund Hillary und Tenzing Norgay 1953 erstmals den höchsten Berg der Welt bestiegen, war die Landschaft noch völlig unberührt. 5300 weitere Bergsteiger haben seither deutliche Spuren hinterlassen: Neben alten Zelten, leeren Sauerstoffflaschen und Plastikmüll liegen auch Tonnen verscharrter Toilettenabfälle auf den Routen zum Gipfel, die sich wegen des Sauerstoffmangels und der Kälte nur langsam zersetzen.
Tonnenweise Bergsteigerfäkalien kontaminieren Quellen
Besonders problematisch sind die jährlich zwölf Tonnen Fäkalien im Everest-Basislager in 5380 Metern Höhe. Seit die Gruben dafür in der etwas tiefer liegenden Häuseransammlung Gorak Shep voll sind, werden die Exkremente seit 2014 in neue Gruben bei einem nahe gelegenen Schmelzwasserfluss gekippt. Während der Monsunzeit tritt dieser jedoch über die Ufer und spült dabei den Kot ins Trinkwassersystem. Sieben von neun lokalen Quellen sind bereits kontaminiert, das zeigt der Nachweis des Darmbakteriums Escherichia coli.
Mehr rund um Abwasser-Nutzung und Biogas:
Strom aus landwirtschaftlichem Abfall
Abhilfe könnte ein Projekt von Gary Porter, Boeing-Ingenieur im Ruhestand, und dem Bergsteiger Daniel Mazur aus den USA schaffen. Zusammen mit Freiwilligen aus Nepal und den Staaten wollen sie eine Biogasanlage in Gorak Shep bauen, die Exkremente aus dem Base Camp zu Dünger und Methan umwandelt. Mit dem Gas könnten das nahe gelegene Bergführerlager und die weniger als zehn Einwohner heizen und kochen. Sie wären damit unabhängiger von schwer lieferbarem Kerosin und den geringen Holzbeständen in der Region, deren Verbrennung in offenen Öfen gesundheitsschädlich ist.
Biogasreaktor soll die Exkremente verarbeiten
Das Methan produzieren dabei Mikroorganismen. Sie benötigen optimalerweise eine Temperatur von 20 bis 30 Grad Celsius. In Gorak Shep liegt die Temperatur aber maximal zwischen zehn Grad im Sommer und minus 20 Grad im Winter. Projektmitglieder an der nepalesischen Kathmandu University und der Seattle University haben daher eine Biogasanlage mit Heizsystem entworfen. Die Heizung wird über 48 Stabbat-terien mit je zwei Volt betrieben, die von Solarzellen gespeist werden. Um darüber hinaus den Wärmeverlust der Anlage gering zu halten, soll der Biogasreaktor etwa 1,5 Meter unter der Erde liegen, wo es in Gorak Shep maximal minus drei Grad kalt wird.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier eine Vimeo-Video (Vimeo LLC) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Vimeo LLC) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Darüber ist ein isolierendes Gebäude mit verdunkelbaren Fenstern geplant, damit die Sonne den Innenraum am Tag zusätzlich aufheizt. Im Gebäude sollen zwei Tanks für warmes Wasser stehen, mit dem die Exkremente zu Schlick für den Reaktor verdünnt werden. Da die Bergsteigsaison nur wenige Monate dauert, gibt es auch einen Nebenraum zur Aufbewahrung von überschüssigem Kot für den ganzjährigen Betrieb. Dort wird die Temperatur auf null Grad gehalten, damit er sich nicht vorzeitig zersetzt.
Finanzierung durch Spenden
Bereits im September 2017 hatten die Wissenschaftler eine Miniaturversion ihrer Anlage im Labor erfolgreich getestet. Sie erwarten, dass der endgültige Reaktor pro Jahr im Schnitt 288 Kubikmeter Biogas erzeugt. Zunächst soll allerdings nur die Bergführerunterkunft direkt neben der Anlage mit dem Gas versorgt werden, da die produzierte Gasmenge voraussichtlich nicht für alle Bewohner ausreicht, sagen die Projektleiter. Allerdings sollen nach einem Jahr Testbetrieb alle Besitz- und Verwaltungsrechte an die Anwohner übergeben werden.
Der Bau der Biogasanlage wird voraussichtlich eine halbe Million US-Dollar kosten, die durch Spenden zusammenkommen sollen. Einen Großteil davon macht der schwierige Materialtransport nach Gorak Shep aus. Bisher sind allerdings nur 20.000 US-Dollar gesammelt worden, weshalb der für letztes Frühjahr geplante Baustart verschoben werden musste. Vielleicht wäre es besser, von jedem Bergsteiger einen Pflichtbeitrag zu verlangen.
(bsc)