Mängel bei Websites europäischer Tourismusregionen

Um reisewillige Surfer in heimische Gefilde zu locken, sind auf den Websites europäischer Regionen noch viele Verbesserungen nötig.

vorlesen Druckansicht 10 Kommentare lesen
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Andreas Grote

Um reisewillige Surfer in heimische Gefilde zu locken, sind auf den Websites europäischer Regionen noch viele Verbesserungen nötig. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Zukunftsstudien (IZT) in seiner Analyse von 170 regionalen europäischen Webauftritten, die es jetzt zusammen mit seinen Forschungspartnern Deutscher Tourismusverband und dem Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin präsentierte.

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt "Benchmarking Tourismus" sollte in erster Linie geklärt werden, wie schnell der Gast die Websites europäischer Regionen im Internet findet, ob die Internetpräsenzen kundenfreundlich und informativ sind und ob die Angebote der Seite wie im Reisebüro sicher und einfach recherchiert und auch gebucht werden können. Insgesamt berücksichtigten die Wissenschaftler bei ihre Analyse über 300 Indikatoren, die in die Bewertung des Webauftritts mit einflossen –, angefangen von der Homepage, Informationen zur Region, Beschreibung der Unterkünfte bis hin zur Buchbarkeit von Unterkünften.

So verfügen zwar bereits 95 Prozent der europäischen Regionen über ein entsprechendes Tourismusangebot im Internet, aber nur 60 Prozent davon bieten auch eine englische Version an – die restlichen 40 Prozent schließen damit ausländische Besucher von vornherein aus. Selbst Websites der Bundesländer Brandenburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen-Anhalt hatten zum Testzeitpunkt nur eine deutschsprachige Seite im Angebot. Zudem ist nur jede zweite der untersuchten Websites über Suchmaschinen wie Yahoo für den Surfer schnell auffindbar, da Keywords und Description oftmals fehlen – was dazu führt, dass die Sites gar nicht oder erst unter "ferner liefen" angezeigt werden und so nicht in das Blickfeld des Suchenden gelangen. Auf Grund der oft fehlenden englischen Umsetzung der Seiten ist auf internationalen Suchmaschinen meist gar kein Eintrag vorhanden. Noch schlechter sieht es bei der Online-Buchung von Hotelzimmern aus. "Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Umsetzung eines funktionierenden Buchungssystem mit hohen Kosten verbunden ist", erklärt Britta Oertel, die beim IZT die Analyse leitete.

Als Hauptgründe für die noch mangelhafte Ausstattung der Websites machen die Autoren der Untersuchung hauptsächlich Innovationsprobleme in den Fremdenverkehrseinrichtungen verantwortlich. "Hier ist die Bereitschaft, wofür Geld ausgegeben wird, zum Teil recht unterschiedlich", erklärt Oertel und fügt süffisant hinzu: "Es ist eben nicht leicht, seinen normalen Trampelpfad zu verlassen und neue Wege zu gehen." Ein Grund für das teilweise noch zurückhaltende Engagement, so vermuten die Autoren, ist die noch immer geringe Zahl von Online-Buchungen. Zwar wird geschätzt, dass jeder dritte Surfer das Internet nutzt, um Informationen über seinen Urlaubsort zu recherchieren, gebucht wird aber letztendlich im Reisebüro. Schätzungsweise nur 2 Prozent der Reiseangebote werden derzeit auch tatsächlich über das Internet verkauft.

Die Qualität der Websites steigt und fällt aber auch mit der Zahl der Internetnutzer in den jeweiligen Regionen, aber auch mit anderen Tourismusstrukturen wie Pauschalreiseverkehr, die in einigen Regionen typisch sind. Während die Angebote in Griechenland und Mallorca zum Teil katastrophal sind, stehen in Europa Großbritannien, Dänemark, Holland und Österreich als Vorbilder ganz gut da, teilweise auch durch Zusammenarbeit im Rahmen eines "private public partnership". So unterstützt zum Beispiel in Holland die Fluglinie KLM den Aufbau und die Betreuung der Seiten. "Obwohl in Europa vor allem die regionalen Webseiten von Österreich und Großbritannien neue Maßstäbe in Bezug auf den Leistungsumfang, die Informationstiefe und die Kundenfreundlichkeit setzen, haben wir auch in vielen anderen Regionen gute Beispiele identifiziert", resümiert Thomas Feil vom dwif. So überzeugt beispielsweise die italienische Region Trentino durch Mehrsprachigkeit, nutzerfreundliche Navigation und leichten Zugang zu Informationsmaterial. Die französische Region Auvergne oder auch Schottland locken den künftigen Gast mit Tourenvorschlägen. Bremen und Berlin überzeugten die Tester dagegen durch ihre durchdachte Online-Buchungsmöglichkeiten von Beherbergungsbetrieben.

Um auch die Regionen zu unterstützen, deren Webauftritt noch nicht perfekt ist, wollen die Tourismus-Wissenschaftler einen Erfahrungsaustausch zwischen den Fremdenverkehrseinrichtung in Europa organisieren. "Hierfür bietet die Benchmarking-Methode ideale Voraussetzungen", erläutert Britta Oertel. "Denn nicht das Aufzeigen von Defiziten oder das Küren von Wettbewerbssiegern steht im Mittelpunkt der Benchmarking-Idee, sondern das Lernen von den Besten." Schließlich werden die Touristen nur dann verstärkt die regionalen Tourismusangebote im Internet nutzen, wenn dort europaweit kundenfreundliche und informative Angebote bereitgestellt werden. Besonders für jene Regionen, die für Individualreisende in den Reisebüros oftmals gar nicht buchbar sind, ist das eine Chance. (Andreas Grote) / (jk)