Eine Chance fĂĽr psychisch Kranke im Internet

Die Anonymität des Mediums ermögliche Patienten die leichtere Kontaktaufnahme; ein Problem sehen Wissenschaftler in der Qualität der angebotenen Informationen.

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  • dpa

Eine Chance für psychisch Kranke sehen Wissenschaftler im Internet. Die Anonymität dieses Mediums ermögliche Patienten die leichtere Kontaktaufnahme zu Beratungsstellen und anderen Betroffenen, sagte der Psychiater Prof. Ulrich Hegerl am Freitag in München bei dem Symposium Internet und Psychiatrie. Bei der Veranstaltung der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ging es auch um Qualitätssicherung von Gesundheits-Webseiten, Online- Therapie und Internetsucht.

Gefahren sieht Hegerl von der Psychiatrischen Klinik an der LMU darin, dass die Internetnutzung allerdings auch die Vereinsamung der Patienten verstärken könnte. Ein weiteres Problem des Internet ist für die Wissenschaftler die Qualität der angebotenen Informationen. Alleine im deutschsprachigen Internet seien auf bis zu 20.000 Seiten psychiatrische Themen zu finden.

Mit der Einführung eines Gütesiegels sollen künftig seriöse Anbieter und Wunderheiler voneinander unterscheidbar gemacht werden, hieß es. Das gestaffelte Gütezeichen soll ab Ende des Jahres vergeben werden, erklärte Gunther Eysenbach von der Universität Heidelberg, der das von der EU geförderte Projekt MedCERTAIN leitet.

Was in Deutschland Ärzten per Berufsverordnung verboten ist, wird in den Niederlanden seit zweieinhalb Jahren erprobt: Die Online- Therapie. Der Mediziner Prof. Alfred Lange von der Universität Amsterdam hat die Interapy entwickelt. Mit der Online-Therapie seien bisher 300 Betroffene des posttraumatischen Stress-Syndroms behandelt worden. Für September ist die Einführung der deutschen Version der Interapy geplant. (dpa) / (jk)