US-Forscher: Daten ĂĽber Leben in alten Mars-Tapes

Enthalten die vor 25 Jahren aufgezeichneten Magnetbänder der NASA-Marssonden den Beweis für Leben im Staub des Nachbarplaneten?

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Von
  • Thorsten Dambeck

Die Daten der amerikanischen Viking-Sonden, die vor 25 Jahren weich auf dem Nachbarplaneten landeten, enthalten entgegen der offiziellen NASA-Interpretation Hinweise auf Mikroben in der roten Erde. Das behauptet zumindest der amerikanische Zellbiologe Joseph Miller, Gastprofessor an der Universität von Südkalifornien, der seine Ergebnisse am Sonntag auf einer Fachkonferenz vorstellte.

Miller untersucht seit zwei Jahren die Daten der Bioexperimente der Sonden. Zunächst hatte er mit technischen Problemen zu kämpfen: Die Ergebnisse der wochenlang mit den Bodenproben durchgeführten Experimente waren auf alten Magnetbändern abgelegt; es fand sich niemand, der das Datenformat der Bänder lesen konnte. Die Programmierer von damals waren bereits tot. Schließlich tauchten alte Ausdrucke mit den Resultaten auf und Miller konnte etwa 30 Prozent des Datenbestandes sichten.

Die Landeroboter hatten im Sommer 1976 erstmals Mars-Bodenproben auf biologische Aktivität untersucht. Ein Experiment besprühte die Probe mit einer radioaktiv markierten Nährlösung. Wenn Mikroben ihr tristes Dasein im Marsboden fristen, so sollten sie begierig die angebotene Nahrung aufnehmen, verdauen und als radioaktives Kohlendioxid ausatmen. Ein Geigerzähler registrierte die Reaktion auf die von den Exobiologen "Hühnersuppe" genannten Nährstoffe.

"Das Experiment entdeckte lebende Mikroorganismen im Marsboden", sagt Gil Levin heute, der damals das Experiment betreute. Die Gasentwicklung in seinem Versuchsaufbau wies zunächst auf Stoffwechselprozesse hin. Bei durch Hitze sterilisierten Bodenproben war keine entsprechende Aktivität mehr feststellbar. Doch Levin konnte sich mit seiner Interpretation im Viking-Team nicht durchsetzen. Andere Experimente hatten vergeblich nach Spuren organischen Materials im Boden gesucht. "Exotische Chemie" war von nun an das Schlagwort zur Erklärung der Befunde.

Die Debatte um die bisher einmaligen Viking-Experimente hat Joseph Miller nun erneut entfacht. In den Signalen entdeckte er eine präzise Periode von 24,66 Stunden, die er für den Tagesrhythmus vom Marsorganismen hält. In der Tat ist die Länge des 24,68 Stunden dauernden Marstages fast exakt getroffen. "Die wahrscheinlichste Erklärung ist biologisch", zitiert der Nachrichtensender CNN Miller. Andere Experten bleiben skeptisch und verweisen weiterhin auf chemische Prozesse. Neues Datenmaterial ist erst im Jahr 2004 zu erwarten, wenn die ESA-Sonde Mars-Express eine Landung versuchen wird und den scheuen Mikroben unter anderem mit einem Mikroskop auf die Spur kommen will.

Siehe dazu auch: Doch Leben auf dem Mars? in Telepolis. (thd)