Wissenschaftler diskutieren online ĂĽber freien Zugang zu Literatur
Die Wissenschaftszeitschrift Nature hat auf Ihrer Website ein Diskussionsforum zum freien Zugang zu wissenschaftlicher Primärliteratur eröffnet.
Die Wissenschaftszeitschrift Nature hat auf Ihrer Website ein Diskussionsforum zum freien Zugang zu wissenschaftlicher Primärliteratur eröffnet. Hier soll der Einfluss des Webs auf die Art und Weise des Publizierens von wissenschaftlicher Literatur diskutiert werden und das Thema einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Hintergrund der Forumsgründung sind die einschneidenden Umwälzungen, die das elektronische und Web-Publishing mit sich bringen; außerdem werden zunehmend Forderungen nach einem komplett freien Zugang zu wissenschaftlicher Primärliteratur – beispielsweise bereitgestellt auf zentralen Webservern – lauter. So existiert die Initiative eines "Public Library of Science", die über einen offenen Brief die Verleger dazu aufruft, Primärliteratur nach einer Schutzdauer von die Monaten kostenlos ins Netz zu stellen, bzw. einer zentralen Web-Datenbank abzuliefern. Die Unterzeichner des offenen Briefes drohen gleichzeitig damit, ihre Abonnements für den Fall zu kündigen, dass die Verleger der Aufforderung nicht nachkommen.
Das jahrzehntelang eingespielte Publizierungssystem mit der Verbreitung von Originalliteratur über wissenschaftliche Journale gerät auf diese Weise noch stärker ins Visier von Kritikern, die vielen Verlagen vorwerfen, ihre dominierende Rolle beim Verbreiten wissenschaftlicher Literatur in der Vergangenheit für die Durchsetzung unverhältnismäßig hoher Abonnementspreise missbraucht zu haben, mit gerade in letzter Zeit nochmals überproportional angestiegenen Tarifen.
Das Nature-Forum ruft nun Beteiligte aller Seiten, also Wissenschaftler, die Primärliteratur produzieren, Bibliotheken, die diese erwerben sollen, Verlage aus dem "profit-" oder "non-profit"-Bereich, wie auch die Betreiber elektronischer Datenbanken und Volkswirtschaftler auf, sich via "1.000-Wort-Artikel" an der Diskussion zu beteiligen. Dabei interessiert die Forumsgründe auch die Frage, was die Wissenschaftler am bisherigen Publizierungssystem am nachteiligsten empfinden und wie wissenschaftliche Information nach deren Meinung anders/besser verbreitet werden könnte.
Die bisher eingestellten Forumsbeiträge spiegeln die unterschiedlichen Interessenslagen von Anbietern und Nutzern im bisherigen Publizierungssystem wider. Verantwortliche von Bibliotheken begrüßen, dass das bisherige quasi-monopolistische System nun stärker unter Druck gerät und führen die im Zuge des elektronischen Publishing bereits verbesserte Bündelung von Nachfragermacht auf der Einkaufsseite als günstige Entwicklung an. Gleichzeitig habe man auf Bibliotheksseite Vorbehalte gegenüber einer unbedachten oder übereilten Hinwendung zu einem neuen, webbasierenden Publizierungssystem, weil man auf diese Weise unter Umständen ein jahrzehntelang eingespieltes und auf hohem Niveau qualitätssicheres System gegen ein unerprobtes, möglicherweise schlecht steuerbares System mit unklaren Zukunftsperspektiven austausche. Vor diesem Hintergrund sei ein modifiziertes System auf der Basis der bisherigen Publizierungswege, das reduzierte Kosten für alle Abonnenten brächte, möglicherweise einer vergleichsweise unkontrollierten "free access"-Lösung vorzuziehen.
Das Forum wird moderiert von Declan Butler und Tony Delamothe, Web Editor des British Medical Journal, welches seine Inhalte mit dem Zeitpunkt des Erscheinens kostenlos ins Web stellt. Hinweise zum Einstellen eigener Forumsbeiträge finden sich hier. Ziel des Forums sei es nicht, endgültige Aussagen über die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens zu erhalten, sondern Schlüsselfaktoren auszumachen, die für die zukünftige Entwicklung entscheidend sein könnten. (klp) / (wst)