Post aus Japan: Nippon sucht das Null-Energie-Haus

In Japan sollen bis 2030 nur noch Häuser gebaut werden, die nicht mehr Energie verbrauchen, als sie produzieren.

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In Bau befindliches Mehrparteienhaus

Bau eines Hauses.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Martin Kölling

Auch Nippons Regierung will etwas gegen den Klimawandel tun. Die Förderung von Wasserstoff und Atomkraft als Energieträger sind zwei der Maßnahmen, mit denen die Regierung die Treibhausgasemissionen senken will. Neuen Schwung erhält nun auch das Energiesparen – im Wohnungsbereich. Um Japans Emissionen wie im Pariser Klimagipfel versprochen zu senken, will die Regierung beschließen, dass bis 2030 nur noch Null-Energie-Häuser gebaut werden.

Post aus Japan
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Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Japan und den Nachbarstaaten.

Unter diesem Begriff verstehen die Japaner keineswegs Häuser, die keine Energie verbrauchen. Auch nicht gemeint sind Passivhäuser, die so geschickt isoliert sind, dass sie nicht geheizt werden müssen. Stattdessen geht es um Häuser, die mit einer Mischung aus besserer Isolierung sowie eigenen Solar- und Brennstoffzellen sich selbst mit umweltfreundlicherem Strom versorgen.

Langfristig will die Regierung damit erreichen, dass irgendwann nach 2050 der gesamte Haus- und Wohnungsbestand sich autark mit Energie aus kohlendioxidfreier Produktion versorgen kann. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung eines Einfamilienhauses von weniger als 30 Jahren scheint das Ziel realistisch zu sein. Zudem will die Regierung bei Bestandsbauten eine nachträgliche Aufrüstung mit Energiespar- und -produktionsmaßnahmen subventionieren.

Das ist ein hehres Ziel. Denn Wohnen war laut amtlichen Angaben im Jahr 2015 immerhin für 16 Prozent der Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Und dank der miserablen Isolierung von Alt- und sogar vielen Neubauten können Treibhausgasemissionen sicherlich drastisch gesenkt werden.

Doch das hohe Einsparpotenzial hat eine Kehrseite, die eine der größten Herausforderungen für den Plan darstellt: In einem Land, in dem Doppelfenster erst in den vergangenen Jahren Standard geworden sind, ist das Wissen über Isolierungstechniken nicht tief verankert. Dementsprechend langsam verbreitet sich der Trend.

Die Regierung hat eine Art Norm erlassen, die es Baufirmen erlaubt, ihre Bauten als Null-Energie-Häuser zu vermarkten. Demnach müssen die Häuser 20 Prozent effizienter sein als die Durchschnittsware und die benötigte Energie selbst produzieren oder gar Strom ins Netz speisen. Der Plan sieht vor, dass 2020 bereits die Hälfte der neuen Einfamilienhäuser den Standard erfüllen.

Und es gibt auch Fortschritte: Brennstoffzellen als effiziente Bonsai-Blockheizkraftwerke fĂĽr die Strom- und Warmwassererzeugung verbreiten sich. Aber bisher entscheiden sich die allermeisten Bauherren noch nicht fĂĽr die besser isolierte (und teurere) Netzautarkie. Im Apartmentbau gibt es ebenfalls massiven Aufholbedarf. Bis 2021 sollen lediglich 1.500 Null-Energie-Apartments gebaut werden, kalkulierte voriges Jahr die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei.

Auch andere Maßnahmen sind für Japans Klimaschutzstrategie im Gespräch, berichtet die Zeitung Yomiuri. Car-Sharing ist genauso dabei wie die Entwicklung kleiner Atommeiler, die aber nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 einen schweren Stand haben dürften. Welche Ideen letztlich in amtliche Politik verwandelt werden, wird sich schon bald zeigen. Die Regierung will ihren Plan zum G20-Gipfel mitbringen, der in diesem Juni in Japan stattfindet.

(bsc)