Ăśbergewicht durch Fertigspeisen
Kann es eine Neuigkeit sein, dass Fertigspeisen dicker machen als Grundnahrungsmittel? Ja, kann es. Wenn Wissenschaftler in beides die gleiche Menge an Zucker, Fett und weitere Nährstoffe stecken und der einzige Unterschied die Verarbeitungsstufe ist.
Fertigfutter macht dick. Das ist zwar naheliegend – aber erstaunlicherweise bislang nicht belegt gewesen. Forscher des amerikanischen National Institut of Health (NIH) haben nun eine Studie durchgeführt, die belegt: Pancakes, Pommes und Pizza bringen mehr Pfunde auf die Hüften als Haferflocken, rohe Mandeln und Obst…
Ganz so trivial ist es natürlich nicht. Die im Fachmagazin "Cell Metabolism" veröffentlichte Studie ist eine ernstzunehmende wissenschaftliche Untersuchung, der Experten bestätigen, dass sie sehr durchdacht und sorgfältig durchgeführt wurde. 20 Probanden, je zehn Männer und Frauen, haben einen Monat lang im Dienste der Wissenschaft im Labor gelebt und gegessen.
Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt – die erste Gruppe bekam morgens, mittags und abends ein Menü aus hochverarbeiteten Lebensmitteln wie Pancakes oder Würsten, die zweite Gruppe aß stattdessen unverarbeitete Lebensmittel wie Haferflocken, Milch und Heidelbeeren. Nach zwei Wochen wurde getauscht.
Ist doch klar, was dick macht, sagen Sie? Auf den ersten Blick vielleicht, aber die Wissenschaftler haben nicht willkürlich Fast- und Slowfood auf den Tresen gestellt: Beide Menüs enthielten unabhängig vom Verarbeitungsgrad die gleiche Menge an Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Fetten und Salz. Während des Experimentes durften die Teilnehmenden von ihren Menüs soviel essen, wie sie wollten.
Und da kommt der Fastfood-Effekt ins Spiel: Die Fertiglebensmittel-Gruppe hat täglich durchschnittlich 508 Kalorien mehr zu sich genommen, als die Haferflocken-Gruppe und hatte – ebenfalls durchschnittlich – nach zwei Wochen ein Kilo mehr auf der Waage. Persönliche Vorlieben konnten die Forscher übrigens ausschließen. Alle Probanden fanden das ihnen vorgesetzte Essen sehr gut und lecker.
Nach zwei Wochen wurde getauscht – und siehe da – das zusätzliche Kilo der ehemaligen Pancake-Esser schmolz unter dem Einfluss der Haferflocken wieder, während die ehemaligen Haferflocken-Esser nun genau dieses Kilo in den folgenden zwei Wochen zunahmen.
Die Forscher vermuten, dass die Fertigprodukte schneller verspeist wurden und das Gehirn erst deutlich später „satt“ signalisiert. Woran das liegt, wissen sie noch nicht, das sollen Folgestudien zeigen. Wenn man aber mal betrachtet, in welcher Geschwindigkeit Kinder Pfannkuchen verputzen und wie lange sie an einer Schale Müsli kauen, ist auch das eine Erkenntnis, die fast schon schmerzhaft naheliegend ist.
Aber jetzt haben wir es wenigstens wissenschaftlich belegt, schwarz auf weiĂź, von Gutachtern geprĂĽft, das Studiendesign von Experten gelobt: Fertiggerichte macht dicker als ausgewogenes Essen aus Grundnahrungsmitteln. Und wenn man jetzt noch eine Studie anschlieĂźen wĂĽrde, die prĂĽft, wie lange es dauert, seinen Einkaufswagen entweder mit Naturjoghurt, GroĂźblatthaferflocken und frischem Obst oder alternativ mit TiefkĂĽhlpizza, Backofenpommes und Pudding zu fĂĽllen, kommt man dem Geheimnis der Ăśberfettung unserer Gesellschaft vielleicht sogar auf die Spur.
(jsc)