Länderkürzel in .info-Domains nur für Regierungen

Auf Drängen internationaler Regierungen wird die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die vorläufige Sperrung von Ländernamen in der neuen .info-Domain erwirken.

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Von
  • Monika Ermert

Auf Drängen internationaler Regierungen wird die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die vorläufige Sperrung von Ländernamen in der neuen .info-Domain erwirken. Das beschloss das Direktorium der ICANN bei seiner Sitzung in Montevideo am Montag mit elf gegen sieben Stimmen.

"Auf Wunsch sollen diese Adressen für die Behörden der jeweiligen Länder registriert werden", forderte der Vorsitzende des Regierungsbeirates der ICANN, Paul Twomey. Twomey sagte in Montevideo, die Regierungsvertreter seien sich bewusst, dass solche Namensprivilegien nicht ohne Probleme zu realisieren seien und die jetzige Forderung nach einem Einfrieren der Registrierungen ungewöhnlich sei.

Man halte die Maßnahme aber wegen der besonderen Bedeutung der .info-Adressen für notwendig: "Wenn Regierungen ins Internet gehen, wollen sie gerade Informationen bieten. Wir sehen die Maßnahme auch nicht als Präzedenzfall für andere Top-Level-Domains." Allerdings werde gerade von asiatischen und afrikanischen Ländern der Run auf ihre Ländernamen im Netz als eine Form von Neokolonialismus empfunden.

Grundlage für die Sperrung ist die für die Länderdomains verbindliche ISO-3166-Liste, die am Deutschen Institut für Normung in Berlin gepflegt wird. Die Liste umfasst rund 240 Ländernamen und die für die Länderdomains (ccTLDs) verbindlichen Alpha-2-Kürzel wie "de". Das ICANN-Büro soll nun beim Domain-Anbieter Afilias die Sperrung bereits registrierter Adressen von dieser Liste durchsetzen. Damit dürfte etwa das US-Unternehmen GlobeScope Internet Service die von ihm registrierte Domain germany.info nicht nutzen. Die noch nicht registrierten Ländernamen und -kürzel sollen präventiv gesperrt werden.

ICANNs Direktoren waren klar in zwei Lager gespalten. Inkonsequent nannte der niederländische ICANN-Direktor Rob Blokzijl die Forderung, da der Regierungsbeirat zur gleichen Zeit die Verwendung der Fluglinien-Kürzel wie "af" innerhalb der neuen TLD .aero gestattete. Außerdem sei unklar, welche Namen gesperrt werden sollten. Die Liste umfasst neben den englischen auch französische Versionen der Ländernamen. "Ich würde dann sofort niederlande.info registrieren, denn das ist nicht auf der Liste," warnte Blokzijl. Auch der für Europa gewählte ICANN-Direktor Andy Müller-Maguhn empfahl, die Sperrung auf die Länderkürzel zu beschränken. Vor einer falschen Entscheidung aus rein "diplomatischen Gründen" warnte der spanische ICANN-Direktor Amadeu Abril i Abril, doch wurden die Kritiker am Ende überstimmt.

Vorerst soll die Sperrung nun bis zur Sitzung der ICANN in Accra im kommenden Jahr gelten, bis dahin soll die Frage nach der Behandlung von geographischen Namen im Netz weiter geklärt werden. Erst kürzlich stellte die World Intellectual Property Organization in einem Bericht fest, dass eventuell zusätzliche gesetzliche Regelungen für den Schutz von geographischen Namen im Stil des Markenrechtes notwendig würden. Mit der gestrigen Entscheidung zu Gunsten der Privilegien für Regierungen werden eventuell auch bestehende Markeneintragungen für solche geographischen Namen hintenan gestellt. (Monika Ermert) / (wst)