Post aus Japan: Wenn die Stoffkatze Junge wirft
Der Spielzeugkonzern SegaToys hat robotische Haustiere entwickelt, die Nachwuchs gebären können.
(Bild: SegaToys)
- Martin Kölling
Nippons Ingenieure haben schon viele Roboterhaustiere in die Welt gesetzt. Fast schon legendär sind die Roboterrobbe Paro und Sonys süßer Hund Aibo.
Doch nun hat sich der japanische Spielzeughersteller SegaToys eines bisher ungelösten Problems von künstlichen Haustieren angenommen: der Nachkommenschaft. Ab Oktober werden eine Katze, ein Hund und ein Kaninchen auf den Markt kommen, die Babys werfen können.
Weiterstreicheln heiĂźt die Devise
Sinnigerweise haben die Ingenieure die maschinelle Mieze aus der langjährigen "Traumtier"-Serie "Eine Katze ist geboren worden" getauft. Der Hund und das Langohr heißen dementsprechend. Und der Name steht für ein Programm, ein kinderleichtes noch dazu. Immerhin ist die Serie für Kinder ab drei Jahren gedacht.
Wenn die kleinen Herrchen oder Frauchen beispielsweise den Rücken der Katzenmama streicheln, maunzt sie ein bisschen. Wird der Rücken nun stärker gestreichelt, ruft das Tierchen "goro–goro", um die Gebärbereitschaft anzuzeigen. Doch nun dürfen die menschlichen Hebammen nicht aufhören: Weiterstreicheln heißt die Devise, bis "kira-kira" ertönt, der "Nun-geht-es-wirklich-los"-Sound.
Kurze Zeit später können drei Kätzchen entbunden werden, während das Kätzchen "Happy Birthday to you" miaut. Auch nach der Entbindung hört der Spaß noch nicht auf. Die Muttertiere haben künstliche Zitzen mit einem kleinen Clou: Kleine Sensoren melden dem System, dass die Jungkatzen angelegt sind und "nuckeln". "Gluck-Gluck" tönt es dann zur Untermalung des Säugungsakts.
Die Katze kann fauchen
Doch damit nicht genug: Selbst an ungeduldige Frechdachse haben die Entwickler in weiser pädagogischer Voraussicht gedacht: Wenn jemand den Nachwuchs vorzeitig aus dem Bauch fingern will, faucht die Katze schwer verärgert. "Man kann viele Male damit spielen", versprechen die Werber von SegaToys.
Diese Werbung ist wohl auch notwendig. Immerhin 45 Euro kostet das technologische aufgewerte Plüschtier. Das ist zwar billiger als ein lebendes Haustier. Aber dafür laufen die Eltern wahrscheinlich noch eher Gefahr als bei realen Hamstern und Hunden, dass ihr Nachwuchs die Spielkameraden nach einer euphorischen Phase rasch wieder ignoriert. Denn so süß die Maschinenwesen am Anfang auch wirken, ihre Fähigkeiten sind doch noch sehr begrenzt.
Selbst höherentwickelte Partnerroboter wie der Humanoid Pepper vom Technikinvestor Softbank leiden darunter wie ein Blick in japanische Geschäfte zeigt. Laut Softbanks Homepage haben bereits mehr als 2500 Unternehmen den künstlichen Kollegen als Kommunikatoren eingestellt. Doch wenn ich ihn irgendwo sehe, steht der Roboter meist nur missachtet und unterbeschäftigt im Laden oder der Lobby herum. Glücklicherweise können die Peppers wohl noch keine Langeweile empfinden, sonst müsste man Mitleid mit den Maschinen haben.
Problem erkannt
Doch Softbank hat das Problem offenbar erkannt. Seit April wird eine neue Pepper-Version verkauft, der sieben Mal so häufig wie zuvor natürliche Dialoge beginnen und auch beenden kann. Sein Vorgänger konnte nur in bestimmten vorprogrammierten Szenarien auf Menschen eingehen. Und das ist noch nicht alles.
Die Entfernung, aus der er Menschen wahrnehmen kann, haben die Ingenieure vervierfacht. Außerdem kann er nun auch Personen bemerken, die sich von der Seite oder von hinten nähern. Auch Peppers Hörverstehen wurde verbessert, so dass er auch in lauten Umgebungen wie zum Beispiel Shopping Centers Worte aufschnappen kann.
Ab diesem Sommer wird zudem eine Gesichtserkennung angeboten. Pepper kann dann Mitarbeiter, Gäste und Kunden zielgerichtet begrüßen, wirbt Softbank. Dem Mitarbeiter schleudert er vielleicht ein "Viel Spaß bei der Arbeit" entgegen, den Kunden fragt er, wie er ihm helfen könne. Ich bin gespannt, ob das reicht, Pepper zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft zu machen. Bei den gebärfreudigen Stofftieren bezweifle ich, dass sie mehr als ein Gimmick werden.
()