Ein Koloss zum Feuerlöschen

Bei dem verheerenden Brand von Notre-Dame hatten die Feuerwehrleute ĂĽbermenschliche Hilfe.

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Ein Koloss zum Feuerlöschen

(Bild: Shark Robotics)

Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Als der Einsatz in der Pariser Kathedrale wegen herabfallender Holzbalken zu gefährlich wurde, schickten sie einen ferngesteuerten Löschroboter namens Colossus ins Gotteshaus. In einem mehr als zehnstündigen Einsatz sprühte er pro Minute 3000 Liter Wasser ferngesteuert auf die Flammen und kühlte die Wände, damit die Hitze sie nicht destabilisiert.

Colossus unterstützt die Pariser Feuerwehr seit zwei Jahren und kommt pro Woche durchschnittlich zehnmal zum Einsatz. Entwickelt hat ihn das französische Unternehmen Shark Robotics. "Wir hatten kontinuierlich Feedback von Feuerwehrleuten, die uns gesagt haben, welche Unterstützung sie brauchen", sagt Cyril Kabbara, Mitgründer und Leiter der Geschäftsentwicklung.

Weil ein Verbrennungsmotor durch den Sauerstoffmangel in der Nähe eines Feuers schnell ausfallen würde, treibt ein Elektromotor Colossus mit insgesamt 8000 Watt Leistung an. Genug Kraft, um sowohl das knapp 500 Kilogramm schwere Gerät zu bewegen, als auch einen bis zu 200 Meter langen Schlauch hinter sich herzuziehen.

Mit Wasser gefĂĽllt, wiegt dieser eine ganze Tonne und mĂĽsste sonst von 10 bis 20 Feuerwehrleuten geschleppt werden. Sechs Batterien liefern Strom fĂĽr bis zu acht Stunden Einsatz. Seine Thermokameras und weitere Sensoren durchdringen dichten Rauch und schicken die Bilder per Funk an die mobile Steuerkonsole des Operators.

Er passt durch alle europäischen Standardtüren, kann mit seinen Raupenketten über Trümmer fahren, Trümmer beiseiteschieben und sogar Treppen bewältigen. "Wir haben den Schwerpunkt so gewählt, dass Colossus Schrägen von bis zu 50 Grad erklimmen kann", sagt Kabbara. Je nach Art des Feuers kann er einen starken Wasser- oder Löschschaumstrahl darauf richten oder das Wasser schirmartig aufgefächert auf größerer Fläche verteilen. Dabei schirmt er gleichzeitig die Feuerwehrleute vor der Hitze ab.

Müssen diese weite Wege zum Brandherd zurücklegen, etwa für einen Einsatz in einem Tunnel, bietet Colossus sogar eine Mitfahrgelegenheit. Er lässt sich mit bis zu zwölf Sitzgelegenheiten – sechs davon auf einem Anhänger – erweitern und kann sogar Verletzte auf einer Trage transportieren.

Weltweit sind bisher acht Roboter im Feuerwehreinsatz, die je nach Ausstattung zwischen 130000 und 200000 Euro kosten. Der Helfer ist darüber hinaus auch für den militärischen Einsatz gedacht, weil er bis zu 500 Kilogramm Ausrüstung transportieren kann.

(bsc)