Neue Materialien für Hochtemperatur-Supraleitung möglich
Roald Hoffmann, Nobelpreisträger für Chemie, prognostiziert Hochtemperatur-Supraleitung bei einer exotischen Materialklasse.
Eine neue Materialklasse von möglichen Hochtemperatursupraleitern hat der Chemiker Roald Hoffman von der Cornell University in die Diskussion gebracht. Die neuen Materialien, die nach Hoffmanns Theorie bei vergleichsweise hohen Temperaturen in die supraleitende Phase übergehen, heißen Fluorargentate. Das sind spezielle Salze, die Silber und Fluor enthalten. Mit seinem Kollegen Wojciech Grochala veröffentlichte Hoffman, der 1981 mit anderen Wissenschaftlern den Nobelpreis für Chemie erhielt, seine Theorie in der neusten Ausgabe des Fachmagazins Angewandte Chemie. Experimentelle Überprüfungen mit den schwer präparierbaren Verbindungen liegen bisher allerdings nicht vor.
Supraleitend werden Materialien genannt, wenn sie unterhalb einer charakteristischen Übergangstemperatur elektrischen Strom verlustfrei leiten. Die Fluorargentate sind deshalb interessant, weil sie eine starke Ähnlichkeit mit den im Jahr 1986 von IBM-Forschern entdeckten Hochtemperatur-Supraleitern haben. Mit -109 Grad Celsius hält ein Vertreter dieser Klasse aus Kupfer, Sauerstoff und anderen Elementen den Temperaturrekord beim Übergang zur Supraleitung. Quecksilber, bei dem der Effekt Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zuerst beobachtet worden war, muss auf -269 Grad Celsius abgekühlt werden, um die ungewohnten elektrischen Eigenschaften zu bekommen.
Bereits in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazin Nature hatte ein amerikanisch-japanisches Forscherteam experimentelle Ergebnisse veröffentlicht, die auf einen gemeinsamen Mechanismus bei Supraleitern und Hochtemperatur-Supraleitern hindeuten. (thd)