Verkehrsstrom-Analyse auf Basis von Autokennzeichen
Das System VIONA (Video Identifikation und Online Analysen für Verkehrsströme) verspricht anonyme Realdaten vom Verkehrsaufkommen in Österreich. Es erkennt Herkunft und Fahrzeuggattung am Nummernschild. Seine Premiere hat es am Wiener Flughafen
- ssu
Die Wiener arsenal research hat gemeinsam mit EBE Solutions ein neuartiges System zur Verkehrszählung entwickelt. Es heißt VIONA (Video Identifikation und Online Analysen für Verkehrsströme) und setzt auf die automatische Erfassung der Kennzeichen vorbeifahrender Fahrzeuge. Neben der Gesamtzahl der vorbeifahrenden Automobile kann damit auch die ungefähre Geschwindigkeit und die Reisezeit der einzelnen Kraftfahrzeuge zwischen den Messstationen in Echtzeit erhoben werden. Bisher waren Verkehrsplaner diesbezüglich auf Hochrechnungen und Erfahrungswerte angewiesen, wobei Verkehrsspitzen unerkannt bleiben konnten.
Gleichzeitig lassen sich mit VIONA Durchgangsverkehr und regionale Bewegungen von einander unterscheiden. Die Software nutzt dabei das österreichische Vergabesystem für Kennzeichen, gemäß dem – ähnlich wie in Deutschland – die Anfangsbuchstaben der meisten Kennzeichen für den jeweiligen Zulassungsort stehen. Zusätzliche Buchstaben am Kennzeichenende verweisen bei österreichischen Fahrzeugen auf einen besonderen Verwendungszweck – zum Beispiel steht TX für Taxi und MW für Mietwagen – oder auf die Fahrzeuggattung: LO am Ende bedeutet Linienbus, GT Gütertransport. Da das System nur vorn montierte Kennzeichen erfasst, bleiben Motorräder unerkannt. Nachts wird mit Infrarot-Lampen gearbeitet, um Blendeffekte zu vermeiden.
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Big Brother oder Umweltengel?
Nach den Richtlinien der österreichischen Datenschutzkommission war keine spezielle Genehmigung erforderlich, da keine personenbezogenen Auswertungen angestrebt werden. Die erfassten Kennzeichen werden vor Ort in einen Hash-Wert verschlüsselt, bevor die Daten drahtlos zur Auswertung an einen Server übermittelt werden. Der Hash-Wert erlaubt die Wiedererkennung eines Fahrzeugs an einer anderen Zählstelle, ermöglicht aber nach Auskunft der Betreiber keinen Rückschluss auf das tatsächliche Kennzeichen.
Zum ersten Mal in der Praxis erprobt wurde das System im niederösterreichischen Traisental. An der Mariazeller Landstraße (B 20) wurden drei Monate lang mit vier Stationen automatische Verkehrszählungen durchgeführt. Die Datenauswertung brachte Unerwartetes zutage: "Dass es hier zu regelmäßigen Verkehrsspitzen vom Doppelten der Normalreisezeit kommt, hat uns sehr überrascht", erklärt Projektleiter Michael Aleksa von arsenal research, "Die Ursachen dafür wollen wir demnächst durch die Analyse der Verkehrsströme – etwa in Bezug auf den LKW-Anteil, Überholmanöver oder Geschwindigkeit – weiter untersuchen."