ThemenmolekĂĽl: Tief tauchen, tief lernen, hoch fliegen

Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Diesmal unter anderem mit Chaos und Ordnung aus dem Jahre 1961, YouTube-Kuriositäten und der künstlichen Intelligenzbremse Nummer 9.

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Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Peter Glaser

Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen.

One Breath Around The World – Wenn man über diesen fantastischen Kurzfilm sagt: Da bleibt einem die Luft weg, sind damit sowohl Zuschauer als auch Darsteller gemeint. In grandiosen poetischen Bildern kann man die französische Apnoetaucherin, Tänzerin und Filmemacherin Julie Gaultier und ihren Mann Guillaume Néry, gleichfalls Freitaucher, durch ozeanische Landschaften und überwältigende Ansichten von Meereslebewesen begleiten.

Das Physical Science Study Committee (PSSC) wurde 1956 am Massachusetts Institute of Technology mit dem Auftrag gegründet, Materialien für den naturwissenschaftlichen Unterricht zu erstellen. In dem PSSC-Film Random Events aus dem Jahr 1961 zeigen die Physikprofessoren J.N. Patterson Hume und Donald Ivey anhand einiger aufwendig ausgearbeiteter Vorrichtungen, wie aus unvorhersehbaren Ereignissen mit genügend Daten hoch vorhersehbare Muster entstehen können.

Wer auf der Suche nach lehrreicher Unterhaltung auf die YouTube-Serie It's OK to be smart stößt, hat einen Glückstreffer gelandet. Die Serie wurde 2013 von den nichtkommerziellen PBS Digital Studios ins Leben gerufen und wird mit viel Verve von dem Molekularbiologen Joe Hanson moderiert. Man kann in vielen Dutzend lustiger Videos wühlen, die sich mit Kuriositäten und durchaus auch ernstzunehmenden wissenschaftlichen Themen befassen, etwa warum Müsli entweder verklumpt oder sich an den Rändern der Müslischale klebt, oder ob es stimmt, dass jeder einen Doppelgänger hat. Biologische Themen sind naheliegender Weise stark vertreten, aber es findet sich auch ausreichend Material zu Physik, Geowissenschaften und Astronomie. Die Clips dauern zwischen 5 und 12 Minuten und enthalten in den Beschreibungen häufig eine Bibliografie mit Quellenangaben oder Links zu weiterführenden Informationen.

Warum künstliche neuronale Netze (KNN) noch einen langen Weg vor sich haben, ehe sie "sehen" können so wie wir, erläutert – auf Deutsch – der aus den USA stammende YouTuber Grant Sanderson, im ersten Teil seiner Serie über Deep Learning. Grant erstellt unter dem Namen 3Blue1Brown Mathematikvideos im weiteren Sinne. KNN wurden entwickelt, um Prozesse in unserem Gehirn zu imitieren und in mancher Hinsicht haben sie uns bereits übertroffen – etwa bei schnellen und komplexen Berechnungen, die bei strategischen Spielen wie Schach und Go dazu führen, dass man gewinnt. Wer sich jedoch jemals online durch einen CAPTCHA-Test geklickt hat, um zu beweisen, dass er ein Mensch ist, weiß, dass unser visueller Kortex immer noch eine ganze Ecke besser ist als seine algorithmischen Nachahmer. Computer können Schachweltmeister werden, weshalb fällt es ihnen dann so schwer, eine handschriftliche "9" eindeutig zu identifizieren? 3Blue1Brown führt ein Programm vor, das handschriftliche Variationen der zehn arabischen Ziffern 0 bis 9 identifiziert, um die Grundlagen der Funktionsweise Künstlicher neuronaler Netze zu erläutern.

Anläßlich des 50-jährigen Jubiläums von Apollo 11 hat der BBC World Service die Podcast-Serie 13 Minutes to the Moon produziert, in der es um "die dramatische und endgültige Geschichte der Männer und Frauen geht, die nach dem Mond griffen". Anhand von Interviews mit Wissenschaftlern, Programmierern, Ingenieuren und Astronauten entfaltet sich das überwältigende Gefühl der Erleichterung und des Erfolgs nach der Landung auf dem Mond. Die 12 Folgen handeln "davon, wie die letzten 13 Minuten der Reise von Apollo 11 zum Mond erfolgreich durchgeführt wurden". Die erste Folge ("We Choose to Go") beginnt mit der berühmten Rede von Präsident John F. Kennedy an der Rice University in Houston, in der er seine Vision verkündet, bis zum Ende des Jahrzehnts Astronauten zum Mond zu schicken und sicher wieder zurückzubringen. Nicht zuletzt wird der Wettbewerb zwischen den USA und der Sowjetunion dadurch weiter verschärft – Space Race beginnt, das Rennen um denWeltraum. 13 Minutes to the Moon wird moderiert von dem Raumfahrtmediziner Kevin Fong und untermalt mit Musik von Hans Zimmer.

(bsc)