Neues Stäbchen, das HIV-Infektion verhindern soll
Pharma-Unternehmen MSD stellt Implantat vor, das ein Jahr lang den Schutz vor einer HIV-Infektion gewährleisten soll. Die Technologie dazu kommt aus der Empfängnisverhütung.
Ein Implantat zur Empfängnisverhütung, das sich mit der Neuentwicklung von MSD vergleichen lässt.
(Bild: MSD)
- Antonio Regalado
- Jennifer Lepies
Es hat die Größe eines Streichholzes und doch ist die Wirkung für die Gesundheit immens. Der Pharmakonzern Merck Sharp & Dohme (MSD) hat ein Implantat entwickelt, das die Infektion mit HIV verhindern soll – und das für ein Jahr. Das kleine Plastikrohr wird dazu im Oberarm unter der Haut eingesetzt. Dort gibt es in winzigen Dosen das Anti-HIV-Medikament ab. Das Unternehmen präsentierte den Prototyp gestern auf einer HIV-Wissenschaftskonferenz in Mexiko-Stadt.
HIV-Schutz mit neuer Klasse von Medikamenten
Die Technologie, um ein Medikament langsam freizusetzen, kommt seit langem in der Empfängnisverhütung zum Einsatz. Im Falle des MSD-Implantats wird hier aber das neue antiretrovirale Medikament namens Islatravir abgegeben, das bis vor kurzem noch als EFdA oder MK-8591 bekannt war. Es ist das erste in einer neuen Klasse von Medikamenten, den Nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren. Es blockiert die Bewegung des Enzyms, das für die Vervielfältigung der Virus-DNA verantwortlich ist, so dass es neue Zellen infizieren kann. Islatravir wird vom Genital- und Analgewebe aufgenommen, wo auch die meisten Infektionen beginnen. Nach Angaben von Dr. Roy D. Baynes gegenüber der New York Times, medizinischer Leiter bei MSD, sei das neue Medikament zehn Mal stärker als andere HIV-Arzneien. Kleine Menge seien so wirksam, das verringere das Risiko von Nebenwirkungen.
Die Implantation des Stäbchen ist damit eine "Pre-Exposure-Prophylaxe" (PrEP), um auch Menschen zu schützen, die das Virus nicht haben und verhindern möchten, dass sie sich infizieren. Dies sind zum Beispiel Frauen in Afrika. Das kleine Röhrchen wäre eine einfacher anzuwendende Prävention als etwa jeden Tag eine handvoll Tabletten zu nehmen. Allerdings hat MSD das Implantat zunächst ausschließlich in einem dreimonatigen Vorversuch mit nur 12 Männern durchgeführt. Darüber hinaus können sich Menschen, die PrEP-Medikamente einnehmen, immer noch mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anstecken, wie Chlamydien und Gonorrhö. Das besagt eine im April dieses Jahres veröffentlichte Studie über 4.375 schwule und bisexuelle Männer in Australien.
HIV-Prävention immer noch nötig
Dennoch sind HIV-Präventionsmethoden dringend erforderlich. Jedes infizieren sich etwa 1,7 Millionen Menschen weltweit. Wenngleich in Deutschland 2017 die Zahl der jährlichen Neuinfektion laut dem Robert-Koch-Institut auf 2.700 gegenüber 2.900 in 2016 zurückgegangen ist, so lebten Ende 2017 hierzulande insgesamt geschätzt 86.100 Menschen mit HIV.
[Korrektur, 25.7.2019, 9 Uhr: In der vorherigen Fassung des Textes wurde geschrieben, dass das neue Implantat von der Firma Merck stammt. Dabei handelt es sich allerdings um ein US-Unternehmen, das auĂźerhalb der USA und Kanada unter dem Namen Merck Sharp & Dohme (MSD) firmiert. Dies wurde korrigiert. jle]
(jle)