Prothesen aus dem 3D-Drucker
Miriam Haerst (32) hat einen 3D-Drucker entwickelt, um maĂźgeschneiderte Implantate herzustellen.
- Alexander Stirn
Gedruckt wird heutzutage vieles: Kinderspielzeug, Flugzeugbauteile und Werkzeuge auf der Internationalen Raumstation. Im Medizinbereich hat der 3D-Druck bislang kaum FuĂź fassen können – die AnÂforÂderungen sind einfach zu hoch: ImÂplantate mĂĽssen idealerweise jahrzehntelang durchhalten. Sie mĂĽssen keimfrei sein. Sie dĂĽrfen keine Fehlstellen und keine eingelagerten Fremdstoffe enthalten.
Bislang kommen daher oft Standardteile in verschiedenen Größen zum Einsatz. Oder die Implantate werden aus Kunststoffblöcken gefräst, was teuer ist und viel Material verschwendet.
Miriam Haerst will das ändern. Mit Studienkollegen der TU MĂĽnchen hat sie das Start-up Kumovis ÂgegrĂĽndet. Ziel der Firma: individuell an Patienten anÂgeÂpasste Implantate, gedruckt aus medizinisch zugelassenen Hochleistungskunststoffen.
(Bild:Â KUMOVIS GmbH)
„Um solche Materialien mit hoher Qualität verarbeiten zu können, brauchen wir vor allem ein gutes TemÂpeÂraturmanagement“, sagt Haerst. Ein zirkulierender LuftÂstrom heizt den Bauraum auf bis zu 250 Grad CelÂsius gleichmäßig auf. Dann wird schichtweise KunstÂstoff aufgetragen. Am Ende steht ein knochenÂähnliches Implantat, dem weder Chemikalien noch Temperaturen etwas anhaben können. „Derzeit sind damit Implantate bis zu den Abmessungen eines Schädels möglich“, sagt Haerst. „Im Prinzip gibt es hinsichtlich der Größe aber keine Beschränkungen.“
Noch handelt es sich bei den Kumovis-Druckern um Prototypen. In den MĂĽnchner Geschäftsräumen Âbereiten die, so Haerst, etwa 20 Mitarbeitenden den ersten Seriendrucker vor. Er soll noch in diesem ÂSommer ausgeliefert werden.
(jle)