Post aus Japan: Ein alter Solartraum lebt
Eine Firma aus Nippon will Straßen in Solarzellen verwandeln. Hat sie mehr Erfolg als andere Versuche in China und den USA?
(Bild: Nippo)
- Martin Kölling
Manche Träume sterben langsam. Solarstraßen gehören in diese Kategorie: Zu verlockend ist die Idee, die ohnehin asphaltierten Flächen nicht nur für den Verkehr, sondern auch für die Stromerzeugung zu nutzen. Nun setzt auch ein japanisches Team auf Elektrizität aus der Straße: Der Straßenbaukonzern Nippo und das Ingenieursbüro Mirai-Labo haben eine Methode entwickelt, wie sich bestehende Fahrwege in Solaranlagen umwandeln lassen.
Lkws fahren problemlos drüber
Schon der Name e-Smart Road drückt Ehrgeiz aus. Das Kraftwerk des Systems besteht aus einer flexiblen Dünnfilmsolarzelle, die Mirai-Labo entwickelt hat. Anders als hocheffiziente kristalline Solarzellen für Hausdächer brechen sie nicht so leicht, wenn Druck auf sie ausgeübt wird. Die Zellen werden dann auf einem speziellen Mörtel ausgelegt, der die Unebenheiten der Straße ausgleichen soll. Abgedeckt werden die Sonnenwandler dann mit einer Schutzplatte aus Plastik und einer Antirutschschicht mit Mikrorillen im Polymer.
Im Test hat die Anlage nicht nur Lastkraftwagen ausgehalten, sondern auch schwere Fahrzeuge mit Schneeketten, teilen die Unternehmen mit. Bis 2022 wollen sie das Produkt nun zur Marktreife entwickeln. Doch angesichts bisheriger Projekte bleibt die Frage, warum nun ausgerechnet die Japaner den kommerziellen Durchbruch schaffen sollten.
In den USA weckte ein Start-up namens Solar Roadways 2016 Hoffnungen, den Untergrund nicht nur als Rollbahn zu nutzen. Aber die Testfläche war, wie bei Nippo, klein. Nippo hat die Solarzellen bisher lediglich in der Parkplatzeinfahrt seines Forschungszentrums in der Präfektur Saitama ausgelegt. China ist ambitionierter. Dort hat sich das Start-up Pavenergy mit dem Baukonzern Qilu verbündet und 2017 ein Stück Autobahn in der Provinz Shandong zur Solaranlage umgewandelt.
Frankreich-Projekt mit schlechten Ergebnissen
Allerdings wollen die Kritiker nicht verstummen, die diese Technik für Geld- und Ressourcenverschwendung halten. Denn da die Solarzellen nur flach auf der Straße liegen und sich damit nicht wie herkömmliche Anlagen der Sonne zugeneigt sind, erzeugen sie schon nicht befahren deutlich weniger Strom als normale Solaranlagen. Schmutz, die Schatten fahrender Autos und die Aufhitzung der Straße in der Sommersonne verringern die Effizienz noch weiter.
Ein Projekt in Frankreich etwa blieb weit hinter den Erwartungen zurück. So generierte der 2016 eröffnete ein Kilometer lange Straßenabschnitt nur halb so viel Strom wie geplant, meldete im Juli die französische Tageszeitung Le Monde. Außerdem soll auch die Beschichtung zersplittert sein.
Die Japaner schweigen sich bisher zur Energieeffizienz und der Stromerzeugung noch aus. Aber niemand sollte deshalb argwöhnen, dass die beiden Unternehmen ihr Projekt nicht ernst nehmen würden. Nippo erwirtschaftet immerhin einen Umsatz von fast vier Milliarden Euro und sieht sich als Innovationshaus im Straßenbau.
Alles für weniger CO2
Auch das Mirai-Labo ist an hoch-technologischen Lösungen für die Kohlendioxidreduzierung, LED-Beleuchtungen und kleine Wind- und Sonnenkraftanlagen interessiert. Es führt bereits diverse Produkte im Verkaufskatalog wie rollbare Notakkus und transportable starke Outdoor-LED-Anlagen.
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Das Duo weist auch daraufhin, dass die Energieeffizienz der Solarstraße nicht das einzige Beurteilungskriterium sein sollte. Ein Zusatznutzen ist der Katastrophenschutz. Mit dem Dünnschichtkraftwerk hat das Duo auch dazu passende Batterien und LED-Lampen entwickelt.
Bei Nacht spendet das System beispielsweise Licht entlang der Straße. Und wenn nach Erdbeben der Strom ausfallen sollte, können die Einwohner die Akkus zu Notunterkünften schleppen, um dort Strom zu haben. Tagsüber lädt die Sonne die Speicher dann wieder auf.
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