Hewlett-Packard baut in Deutschland 300 Stellen ab

Der Computerkonzern Hewlett-Packard will in den nächsten Monaten in Deutschland 300 Stellen abbauen.

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  • dpa

Der Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) will in den nächsten Monaten in Deutschland 300 Stellen abbauen. Über ein freiwilliges Programm für Altersteilzeit, Stellenwechsel und Abfindungen sollen Entlassungen verhindert werden, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von HP Deutschland, Heribert Schmitz, am Dienstag in einem dpa-Gespräch. Deutschland sei damit von dem im Juli angekündigten konzernweiten Abbau von 6000 Jobs weniger stark betroffen als andere Töchter. Wie viele weitere Arbeitsplätze die geplante Fusion mit dem Computer-Hersteller Compaq kosten würde, sei derzeit noch nicht abzusehen, sagte Schmitz. HP beschäftigt in Deutschland 6000 Mitarbeiter.

Durch den Ausbau des Service-Geschäfts rechnet HP netto in diesem Jahr mit 150 bis 200 weniger Stellen als zuvor. Das Unternehmen erwarte, dass Mitarbeiter in Bereichen mit Überkapazitäten sich freiwillig auf offene Stellen bewerben oder die angebotene Abfindung in Anspruch nehmen würden. "Ich rechne eher mit zu vielen Freiwilligen", sagte Schmitz. Der von den Gewerkschaften scharf kritisierte Gehalts- und Urlaubsverzicht solle nach Ablauf der Maßnahme Ende Oktober nicht fortgesetzt werden. HP hatte dazu vor Bekanntgabe des Stellenabbaus aufgerufen. "Vom Timing her war das sicherlich nicht ganz glücklich", gestand Schmitz. Allerdings seien so in Deutschland kurzfristig 15 Millionen Mark eingespart worden.

HP-Gesamtbetriebsratschef Ulrich Oechsle wertete als positiv, dass betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden könnten. Die Mitarbeiter befürchteten jedoch, dass im Zuge der Fusion mit Compaq weitere Stellen eingespart würden. Konzernchefin Carly Fiorina hatte angekündigt, dass zusätzlich 15.000 Jobs abgebaut würden. Schmitz sagte, er gehe davon aus, dass die Auswirkungen für Deutschland verkraftbar seien. Schmitz und Oechsle sprachen sich dagegen aus, den Tarifvertrag der deutschen Compaq-Tochter für den neuen Konzernteil zu übernehmen. HP hat derzeit keinen Tarifvertrag, habe aber mit eigenen Vereinbarungen zwischen Mitarbeitern und Geschäftsleitung bisher gute Lösungen erzielt, sagte Oechsle.

Mit einer Zustimmung der Kartellbehörden für die HP/Compaq-Fusion könne frühestens in sechs Monaten gerechnet werden, sagte Schmitz. "In dieser Zeit werden wir weiterhin als Wettbewerber im Markt auftreten. Wir müssen so operieren, als ob eine Fusion nicht im Raum steht." Die Übergangszeit sei eine kritische Phase für beide Unternehmen, weil Mitarbeiter, Kunden und Partner Fragen nach der zukünftigen Entwicklung stellen würden. Die deutsche Geschäftsführung sei von dem Zusammenschluss überrascht worden, sagte Schmitz. Er stehe aber zu der Entscheidung, das weltweit führende Technologieunternehmen zu etablieren. "Diese Fusion macht sehr viel Sinn."

Im laufenden Geschäftsjahr 2000/2001, das zum 31. 10. endet, habe man bisher die Umsätze in Deutschland gerade halten können, sagte Schmitz. "Unser Wachstumsziel werden wir nicht erreichen." Das Unternehmen hatte im dritten Quartal weltweit einen Umsatzrückgang um 14 Prozent und einen Gewinneinbruch von 89 Prozent verbucht. In Deutschland setzte HP im vergangenen Geschäftsjahr 9,6 Milliarden Mark (4,9 Mrd Euro) um. Schmitz rechnet im zweiten Halbjahr 2002 mit einer Erholung des Marktes für Informationstechnologie. Allerdings seien die Auswirkungen der Terroranschläge in den USA auf die Weltwirtschaft derzeit nicht abzusehen. Eine sinkende Nachfrage bei den Konsumenten würde auch HP mit seiner Stärke bei Druckern und Zubehör treffen. (dpa) / (wst)