Bier soll nun halten, was Wein einst versprach
Eine neue Studie soll belegen, dass Bier gesund ist und schlank macht. Irgendwie wiederspricht das Erfahrungswerten – und es erinnert seltsam an die Welle, die Rotwein vor gut 10 Jahren schlug.
Da ist es mal wieder: Das Versprechen, dass ein geliebtes Genussmittel eigentlich ein Arzneimittel, wenn nicht gar ein Jungbrunnen ist. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wollen Forscher des Instituts für Biochemie herausgefunden haben, dass Bier beim Abnehmen helfen – und Übergewicht vorbeugen kann –, die Vernarbung der Leber verhindert, Krebszellen in der Leber abtötet und glücklich macht. Letzteres ist – wenn man das Verhalten biertrinkender Menschen in einschlägigen Lokalen oder Biergärten beobachtet, durchaus schlüssig.
Das Geheimnis des Bieres soll in verschiedenen Inhaltsstoffen stecken. Da ist einmal das Hordenin aus Gerstenmalz, das im Gehirn des Bierseeligen eine ähnliche Wirkung entfaltet wie Dopamin, das Glückshormon.
Weiterhin haben die Forscher die Hopfeninhaltsstoffe Xanthohumol und Iso-Alphasäuren gefunden. Xanthohumol gehört zu den Pflanzenpolyphenolen. Sie geben den Pflanzen, aus denen sie stammen, Farbe und Geschmack. In diesem Fall das satte Gelb der Hopfenblüte. Durch den Brauprozess wird der Pflanzenfarbstoff jedoch weitgehend abgebaut und ist in Bier nur noch in kleinen Mengen zu finden.
Xanthohumol soll durch Übergewicht und Fehlernährung hervorgerufene Leberverfettung hemmen. Wer noch nicht unter Übergewicht leidet, den soll das Polyphenol beim schlank-bleiben unterstützen: Es soll helfen, das Gewicht zu halten, wenn man zu viel isst. Zudem soll es verhindern, dass die durch Fehlernährung verfettete Leber vernarbt – der erste Schritt zu Leberzirrhose und -krebs. Aber die wundervollen Wirkungen gehen laut FAU noch weiter: es soll sogar Leberkrebszellen abtöten.
Nicht ganz so konkret werden die Forscher der FAU bei Iso-Alphasäuren. Sie entstehen beim Erhitzen während des Brauprozesses aus den Bittersäuren des Hopfens. Sie machen den typischen Biergeschmack aus und sollen eine allgemein positive Wirkung auf die Gesundheit haben, Leberschäden hemmen und den Fett- und Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen.
Die einzige Quelle für Menschen derzeit: Bier. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass die FAU an der Nordspitze des größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebietes der Welt liegt. In die gleiche Kategorie (Schelm – Böses – denken) gehört sicher der mit 60.000 Euro dotierte Preis der European Foundation for Alcohol Research und der European Brewery Convention, die garantiert unabhängige Europäische Stiftung für Alkoholforschung – getragen von The Brewers of Europe, der – wie sie von sich sagen – Stimme der Brauereiindustrie Europas, die über 90 Prozent der europäischen Bierproduktion unter sich vereinen.
Zur Ehrenrettung der Erlangen-NĂĽrnberger sei gesagt: Sie verweisen immerhin darauf, dass Bier wegen seines Alkoholgehaltes keine Medizin sei und schlagen den Konsum von alkoholfreiem Bier, Hopfenlimonaden und -tees vor.
(jsc)