Brokat-Insolvenzverwalter empfiehlt Eröffnung eines Verfahrens (Update)
Insolvenzverwalter und Brokat-Vorstand glauben, dass das übrig gebliebene Kerngeschäft nur überleben kann, wenn dafür ein Investor gefunden wird.
Beim angeschlagenen Stuttgarter Software-Unternehmen Brokat soll in den nächsten Tagen das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Dies habe eine Prüfung des Unternehmens, das auf elektronische Zahlsysteme und Internet-Payment spezialisiert ist, ergeben, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter, der Stuttgarter Rechtsanwalt Volker Grub, laut dpa mit. Er werde dem Amtsgericht Stuttgart einen entsprechenden Vorschlag machen. Grub und der Brokat-Vorstand glauben, dass das übrig gebliebene Kerngeschäft mit 150 Mitarbeitern nur überleben kann, wenn dafür ein Investor gefunden wird. Die Verhandlungen mit Interessenten würden derzeit laufen.
Der Verkauf des Geschäftsbereichs für das elektronische Bezahlen per Handy mit 400 Beschäftigten stehe zunächst noch unter Vorbehalt, solle aber bei einer Eröffnung des Verfahrens bestätigt werden. Brokat will die inzwischen in Encorus Technologies umbenannte Sparte für 28 Millionen Euro an das amerikanische Unternehmen eONE Global verkaufen. Andere Geschäftsbereiche wurden bereits abgestoßen und das Kerngeschäft mit Software für Internet-Banking in eine Tochter ausgegliedert.
Brokat hatte am vergangenen Freitag wegen Überschuldung ein Insolvenzverfahren beantragt. Die monatelangen Gespräche mit den Gläubigern einer Hochzinsanleihe über eine Umwandlung des Rentenpapiers in Aktien hatten zu keinem Ergebnis geführt. Der Brokat-Vorstandschef Stefan Röver sollte nach früheren Plänen die Leitung von Encorus übernehmen. Nach Informationen aus Firmenkreisen ist der Posten des Encorus-CEO aber momentan vakant, Röver soll angeblich als Berater weiterhin für Encore tätig sein. Bisher sind laut Angaben im Internet fünf Brokat-Mitarbeiter in das Management des Unternehmens gewechselt, das derzeit noch von eONE Global-Vorstandschef Garen Staglin geführt wird. Das Encorus-Hauptquartier soll in Irland angesiedelt werden, die Entwicklung bleibt in Stuttgart. (jk)