Versicherungsfall Online-Reputation

William Atak ist Geschäftsführer des dänischen Rufmanagement-­Unternehmens Atak A/S, das ­Privatpersonen gegen Cyber-Mobbing versichert.

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Versicherungsfall Online-Reputation

(Bild: Atak)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

TR: Sie bieten eine Versicherung gegen Online-Mobbing an, bei der Privatpersonen einen monatlichen Beitrag zahlen und Sie dafür tätig werden, wenn es zu Mobbing kommen sollte. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

William Atak: Wir unterstützen seit ­vielen Jahren Unternehmen bei ­unerwünschten, rufschädigenden Online-­Inhalten und haben zuerst eine Versicherung für sie angeboten. Als wir bekannter wurden, riefen ­immer mehr Privatpersonen an: Kin-der und Jugendliche, aber auch die Eltern, die uns baten, bei allen Arten von Cyber-Mobbing zu helfen. Allerdings konnten sich 99 Prozent von ­ihnen – genauso wie kleine Unternehmen – unsere Stundensätze nicht leisten. Daher haben wir ein Versicherungskonzept für Privatpersonen in Dänemark entwickelt.

Ist das Problem tatsächlich so groß?

Mobbing hat sich verändert. Ich wurde als Kind auch gemobbt. Aber wenn ich nach Hause kam, war es vorbei. Im digitalen Zeitalter erreichen die Mobber rund um die Uhr praktisch Millionen Menschen auf einen Schlag. Es lässt Kinder denken, die ganze Welt hasst sie. Ich habe drei Kinder, und der Gedanke, dass sie mit diesem Druck gemobbt werden könnten, macht mich krank.

Wie funktioniert die Versicherung?

Ähnlich wie eine Kfz-Versicherung. Sie zahlen eine monatliche oder jährliche Gebühr. Bei einem Vorfall machen Sie Ihren Anspruch geltend, und wir kümmern uns darum, dass alles, was online ist, bereinigt wird. Wir dokumentieren, was passiert ist, finden heraus, wer es getan hat, wo es verbreitet wurde, und wir versuchen, die Inhalte aus dem Netz zu entfernen. Partneranwälte entscheiden, wo das möglich ist und ob der Täter strafrechtlich verfolgt werden kann. Bei Bedarf informieren wir die Polizei und beziehen die Schule mit ein. Der letzte Schritt besteht darin, sicherzustellen, dass der Inhalt entfernt wird. Ist das nicht möglich, weil der Vorfall zwar nicht illegal, aber immer noch Mobbing ist, begraben wir den Inhalt, sodass er nicht mehr auf Anhieb aufzufinden ist.

Vieles im Schulumfeld findet in geschlossenen Facebook-Gruppen oder privaten Chats statt. Wie kommen Sie da ran?

Wir haben in allen größeren geschlossenen Gruppen Leute mit falschen Profilen drin. Zu kleinen geschlossenen Gruppen haben wir allerdings keinen Zugang. Besteht sie zum Beispiel aus zehn besten Freunden, und niemand Neues wird in die Gruppe aufgenommen, ist es unmöglich zu dokumentieren. Doch wenn die Belästigung sehr grausam ist, stellen wir durch unseren Anwalt sicher, dass Facebook – oder wer auch immer – die Inhalte entfernt.

Können Sie auch bei Rachepornos helfen, die ins Dark Web hochgeladen werden?

Wir hatten den Fall eines 14-jährigen Mädchens, das mit ihrem damaligen Freund ein Sexvideo aufgenommen hatte. Sie trennten sich. Das Video ­landete auf russischen Pornoseiten im Dark Web. Da dieses Mädchen in Dänemark eine Berühmtheit war und ihr Name in der Sexvideo-Überschrift genannt wurde, tauchte bei ­Google ihr Name zusammen mit den Links zu den Pornoseiten auf. In diesem Fall konnten wir herausfinden, wer die Eigentümer der Website sind, und mit dem Argument, dass das Opfer minderjährig ist, die Inhalte entfernen lassen.

Wie begraben Sie Inhalte, die Sie nicht entfernen lassen können?

Das Ziel ist, dass die Mobbing-Infos nicht mehr auf Seite 1 der Google-Suchergebnisse sichtbar sind. Wir erstellen beispielsweise neue Inhalte oder stärken vorhandene positive Inhalte.

(bsc)