Abwrackprämie: 90 Prozent der Mittel sind weg

Beim derzeitigen durchschnitt­lichen Eingang von 9000 Online-Reservierungen pro Tag wären die Mittel in drei Wochen und damit knapp vor der Bundestagswahl am 27. September aufgebraucht

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  • ssu
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Eschborn, 17. August 20009 – Wer noch von der staatlichen Abwrackprämie für Altautos profitieren will, muss sich sputen: Der Fördertopf ist fast leer. Beim derzeitigen durchschnittlichen Eingang von rund 9000 Online-Reservierungen pro Tag wären die Mittel in drei Wochen und damit knapp vor der Bundestagswahl am 27. September aufgebraucht. Laut der Fördermittelübersicht des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gibt es noch Mittel für 183.736 Prämien (Stand: Montag, 17. August, 11:30 Uhr). Das entspricht nicht einmal mehr 10 Prozent des Gesamtetats. Die Abwrackprämie hat insbesondere bei Kleinwagen einen Absatzboom ausgelöst. Mit dem Auslaufen des aus Steuergeldern finanzierten Kaufanreizes befürchten Experten jedoch einen tiefen Absturz bei den Zulassungszahlen.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hat der Autohandel in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 4,7 Prozent erreicht. Die Zahl der neu angemeldeten Autos stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 22,8 Prozent. Die Zahlen spiegeln den Trend zum Kauf von preisgünstigeren Kleinwagen mit Hilfe der Prämie wider. Von dem Boom profitierten die Importeure stärker als die deutschen Hersteller. Der Umsatz der deutschen Autoindustrie sank in den ersten fünf Monaten um fast ein Drittel (32,5 Prozent) auf knapp 100 Milliarden Euro. Die Werkstätten hatten mit der verjüngten Pkw-Flotte weniger Arbeit und mussten einen Umsatzverlust von 3,8 Prozent verkraften.

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Beim derzeitigen durchschnittlichen Eingang von 9000 Neu-Anträgen pro Tag wären die Mittel in drei Wochen und damit knapp vor der Bundestagswahl am 27. September aufgebraucht.

Nach Einschätzung von Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen steht dem deutschen Automarkt im kommenden Jahr ein noch schlimmerer Absturz bevor als bisher erwartet. 2010 dürfte eine Million weniger Autos als in diesem Jahr verkauft werden, prognostizierte der Wissenschaftler. In Deutschland würden damit nur noch 2,7 Millionen Autos verkauft. Im Vergleich zum Jahr 2008 wäre das ein Rückgang von über 12 Prozent.

Auch auf die Auslandsmärkte sollten die deutschen Autobauer im kommenden Jahr keine großen Hoffnungen setzen, warnte Dudenhöffer. "Stabile Wachstumsmuster liegen derzeit nur in China vor, und China steht für 13 Prozent der weltweit verkauften Autos." Zudem hätten die Abwrackprämien in Deutschland und anderen Ländern – darunter die USA und in Europa unter anderem Großbritannien – die Verbraucher an niedrigere Autopreise gewöhnt.