Tschechien: Programmierer schenken dem Staat einen Onlineshop
Ein tschechischer Minister wollte 16 Millionen Euro fĂĽr einen Onlineshop fĂĽr Autobahnvignetten ausgeben. Er ist seinen Posten los, den Shop gibt es fĂĽr lau.
(Bild: monticello/Shutterstock.com)
In Tschechien haben am Wochenende rund 60 Programmierer im Rahmen eines Hackathons einen E-Shop fĂĽr die Regierung erstellt. Damit protestierten sie auch gegen einen mutmaĂźlich ĂĽberteuerten Staatsauftrag, berichtet Radio Prague: Der inzwischen entlassene Verkehrsminister VladimĂr KremlĂk hatte fĂĽr die Entwicklung der digitalen Autobahnvignette 400 Millionen Kronen (rund 16 Millionen Euro) ausgeschrieben und war dafĂĽr heftig in die Kritik geraten. Das nun erstellte System "Faire Vignette" soll sie dagegen kostenfrei erhalten, erklärte der Organisator des Hackathons, Tomáš Vondráček.
Auftrag kostet Minister sein Amt
Die Vergabe zur Entwicklung des E-Vignettensystems ohne eine Ausschreibung hatte in den vergangenen Tagen fĂĽr heftige Diskussionen in der Tschechischen Republik gefĂĽhrt. Laut Radio Prague erschien der gesamte Prozess auch Premierminister Andrej Babiš zu teuer und zu undurchsichtig, weswegen er KremlĂk "rausgeschmissen" habe. KremlĂk hatte das Amt erst neun Monate zuvor angetreten. Der Auftrag wurde zurĂĽckgezogen und sein Ressort dem Ministerium fĂĽr Industrie und Handel zugeschlagen, nun mĂĽsse Wirtschaftsminister Karel HavlĂÄŤek "irgendwie aus der Affäre rund um den Vignetten-Onlineshop herauskommen". Die E-Vignette soll kommendes Jahr eingefĂĽhrt werden, mehr Geld einbringen und gleichzeitig weniger kosten.
Tomáš Vondráček hatte angesichts der "absurden staatlichen Ausschreibung" zu einem Hackathon aufgerufen, erklärt er nun auf der mehrsprachigen Seite zum fertigen System, das jetzt im Probebetrieb läuft. Dank der breiten Unterstützung habe man an einem Wochenende den Onlineshop für die E-Vignette erstellt und könne sie dem Staat als Alternativlösung präsentieren, schreiben die Entwickler. Premierminister Andrej Babiš hatte den Hackathon am Sonntag besucht und erklärt, seine Regierung sei bereit das System zu benutzen, sollte es sich als funktionierend erweisen. Der Wirtschaftsminister ergänzte laut dpa, "das System muss in den nächsten Tagen noch einen Belastungstest bestehen, aber es sieht nicht schlecht aus." (mho)