eRuf: Porsche Carrera mit Elektroantrieb

Boxer-Klang hat dieser Porsche zwar nicht zu bieten, doch dafür fährt er emissionsfrei. Der Allgäuer Tuner Ruf baut einen 911 Carrera zum Elektrofahrzeug um und will bereits 2009 den ersten Kleinserien-Renner ausliefern

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  • sg
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Pfaffenhausen, 13. Oktober 2008 – Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, doch dass leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterien nicht billig sein können, ist offensichtlich. So sind im Tesla Roadster über 6000 Akkuzellen verbaut, dafür muss man locker 1000 Laptops ausschlachten. Im Mai 2007 ließ sich der Marketing-Chef von Tesla in den Los Angeles Times wenigstens die Äußerung entlocken, dass der Preis „North of 20.000 $“ liegt, wie weit im Norden, sagte er allerdings nicht. Doch genau dieses Preisproblem macht Sportwagen attraktiv als Experimentierfeld für Elektroantriebe und die teuren Energiespeicher, denn da tut es dem Kunden eben weniger weh. Das mag sich auch der Allgäuer Porsche-Tuner Ruf gedacht haben, der tatsächlich einen Porsche 911 mit Elektroantrieb auf den Markt bringen will.

Den Anstoß zu dem Projekt gab laut Firmenangaben Inhaber Alois Ruf selbst. Der umtriebige Bayer besitzt nämlich einige Wasserkraftwerke, mit denen er pro Jahr 35 Millionen Kilowattstunden Energie ins örtliche Stromnetz einspeist. Warum also nicht mit diesem sauberen Strom ein sportliches Auto antreiben? Als Grundlage diente Ruf ein Porsche 911 Carrera. Von außen wirkt das Ergebnis praktisch wie ein konventionell befeuerter Vor-Facelift-997. Unterm Blech allerdings musste der Sechszylinder-Boxermotor einer deutlich saubereren Technik weichen: Ein bürstenloser Dreiphasen-Wechselstrommotor sitzt hinter dem Hinterachs-Differenzial und sorgt mit 150 kW Leistung und 650 Newtonmeter Drehmoment für Vortrieb.

eRuf: Porsche Carrera mit Elektroantrieb (5 Bilder)

Der Macher und seine Projekte: Alois Ruf mit dem Elektro-911 vor einem seiner Wasserkraftwerke

Der Strom für die E-Maschine wird in 96 Lithium-Ionen-Zellen gespeichert, die vom Hersteller Axeon stammen. Jede von ihnen wiegt 5,6 kg, der ganze Akkupack macht also mehr als eine halbe Tonne Gewicht aus, welches sinnvoll im Fahrzeug verteilt werden will. Ein Großteil der Zellen ist im Fahrzeugheck über dem Motor eingebaut, einige Akkus haben die Ruf-Entwickler allerdings auch in den Kofferraum des Elfers und somit vor die Vorderachse gequetscht, andernfalls würde die Gewichtsverteilung wohl noch hecklastiger ausfallen, als es ohnehin der Fall ist. Insgesamt sollen die Akkus für 250 bis 320 Kilometer Fahrstrecke reichen. Bei einer geschätzten Lebensdauer von 3000 Ladezyklen müssten die Zellen also nach 750.000 bis 960.000 Kilometer ausgetauscht werden.