Fast freie Fahrt fĂĽr Senioren

Ein besonderes Fahrticket fĂĽr den Ă–PNV winkt Senioren in SĂĽdniedersachsen, wenn sie dauerhaft ihren FĂĽhrerschein abgeben. Doch das hat seine (zeitlichen) Grenzen.

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Natürlich ist es wichtig, dass Senioren möglichst lang mobil sind und ein eigenständiges Leben führen können. Bei vielen spielt das eigene Auto dabei eine wichtige Rolle. Nur schwer fällt da sicherlich der Schritt, die Möglichkeit zur Individualmobilität aufzugeben, wenn es die Gesundheit nicht mehr zulässt oder wenn schlicht die Unsicherheit und Überforderung im täglichen Straßenverkehr zunimmt.

Der Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) hat gerade für diese Fälle ein besonderes Angebot eingeführt: der "Sichere-Fahrt-Schein". Er richtet sich an Menschen ab 65 Jahren. Geben sie ihren Führerschein bei einer zuständigen Führerscheinstelle oder der Polizei dauerhaft ab, können sie sechs Monate lang Bus und Bahn im VSN-Gebiet kostenfrei nutzen. Nach dem halben Jahr lässt er sich in ein VSN-Jahres-Abo umwandeln.

Unter dem Facebook-Post, der auf diese Möglichkeit aufmerksam machte, hagelte es sofort hämische Kommentare. Und so scheint die Aktion zunächst tatsächlich wie ein fauler Kompromiss: Der Führerschein ist für immer weg, aber Bus und Bahn darf ich nur sechs Monate gratis nutzen? Und was ist mit jenen Senioren, die bereits seit einiger Zeit ihren Führerschein abgegeben oder gar keinen gemacht haben? Die schauen in die Röhre.

Andererseits sind diese sechs Monate vielleicht auch eine gute Umgewöhnungszeit. Die "Sichere-Fahrt-Schein"-Besitzer lernen das ÖPNV-Netz kennen und erkunden ihre täglichen Routen, ohne sich um das richtige Ticket sorgen zu müssen. Derweil entfallen für sie ja Ausgaben in Form der Autoversicherung und Unterhalt und Wartung des Wagens. Insofern könnten diese gesparten Beträge nach Ablauf des halben Jahres gut und gern in ein Jahres-Abo investiert werden.

Eine erste Bilanz zur Annahme des Zeittickets fällt im Göttinger Tageblatt so dann auch recht positiv aus: 322 Senioren aus den Landkreisen in Südniedersachsen und der Stadt Göttingen nutzen das Angebot. Trübsal, dass die Freifahrten nur begrenzt sind, sind nicht zu hören. Ob das Angebot allerdings auch so attraktiv auf den schlecht an den ÖPNV angeschlossenen Dörfern in Südniedersachsen ist, bezweifele ich. Damit ist der Schein sicherlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss, um die Mobilität aller Senioren auch im hohen Alter zu erhalten. Ein interessanter Ansatz ist es dennoch.

(jle)