SARS-CoV-2 in Europa: Grund zur Panik oder doch nur ein Virus?

China hat sich redlich gemĂĽht, aber es hat nicht gereicht: das Coronavirus hat die Grenzen Chinas verlassen. Wir sollten uns mit dem Gedanken an SARS-CoV-2 in unserer Mitte anfreunden.

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Es geht nicht mehr um Einzelfälle, sondern um Ausbreitung. Asien, der nahe Osten und – ganz nah und damit auf einmal erschreckend real – Italien sind die derzeit am stärksten von der Ausbreitung betroffenen Zonen.

Wurde China zu Beginn der Krankheitswelle noch für seine drastischen Maßnahmen getadelt, findet das Verhalten jetzt Nachahmer. Italien handelt beherzt: Kein Karneval in Venedig. Schulen bleiben geschlossen, ganze Gemeinden werden unter Quarantäne gestellt. Hätte die Epidemie in einem europäischen Land begonnen, wäre das Virus vielleicht schon um die Welt gereist, denn kein europäisches Land hätte zu Beginn gewagt, derart drastisch in den Alltag seiner Bürger einzugreifen.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Übertragung des Virus in der EU als zwar gering ein. Eine Pandemie schließt es jedoch nicht aus. Zu viele wissenschaftliche Unsicherheiten und unvorhersehbare Faktoren halten die Situation in der Schwebe.

Geld für den Ernstfall ist zumindest vorhanden: Die EU-Kommission stellt 232 Millionen Euro im Kampf gegen das Coronavirus zur Verfügung. Das Vorbild Chinas und die öffentliche Akzeptanz seiner Maßnahmen im Kampf gegen die Infektion haben zudem den Boden für strenges Durchgreifen auf europäischem Boden geebnet. Das kann ein Gefühl der Sicherheit oder der Panik vermitteln – je nach Mentalität.

Was vielleicht vor Panik schützt: In 80,9 Prozent der Fälle verläuft die Infektion mild. Für nur 4,7 Prozent der Fälle ist sie lebensgefährlich. Besonders betroffen sind Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetiker, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen und Bluthochdruck. Also ein sehr ähnliches Spektrum wie bei der jährlich auftretenden Grippewelle.

Und damit sehen auch die Schutzmaßnahmen genauso aus, wie während der Grippesaison. Ein paar (fast schon banale) Praxistipps: SARS-CoV-2 verbreitet sich wie Grippe oder eine gewöhnliche Erkältung über Tröpfcheninfektion aus – nur eben effizienter. Husten und Niesen streut die Viren. Wer Abstand zu seinen Mitmenschen halten kann, hat ein geringeres Infektionsrisiko.

Keine Krankheitszeichen sind kein Garant für Gesundheit. Schon bevor die Betroffenen krank wirken, streuen sie das Virus. Wer in solchen Zeiten ins Fußballstadion gehen muss, muss dann auch die möglichen Konsequenzen vor sich verantworten.

Und Finger weg vom Gesicht. Häufiges Händewaschen mit Seife ist Pflicht in Krankheitszeiten. Klinken, Telefone, Klingelknöpfe, Fernbedienungen, Tastaturen – auf ihnen allen warten die Viren auf den Transfer zur Nase. Das heißt auch: Seien Sie unhöflich. Händedruck, Bussi rechts-links müssen nicht sein, wenn Viren grassieren. Dass Schnodderfahnen sofort zu entsorgen sind, versteht sich von selbst.

Die scheinbar obligatorische Atemschutzmaske ist fĂĽr Gesunde ĂĽbrigens wenig hilfreich: Durch die feuchte Atemluft wird der Schutz der Masken nach etwa 20 Minuten aufgehoben. Die kurze U-Bahn-Fahrt zur Arbeit kann sie allerdings als Barriere dienen.

Nach überstandener Infektion sind die Patienten übrigens immun gegen den Erreger. Das heißt, sie können ohne Gefahr für sich und andere helfen – Kranke unterstützen, Einkäufe erledigen oder Kinder betreuen. Das ist dann Pandemie(management) mit Wohlfühlgarantie.

(jsc)