Zahlen, bitte! Ein Super-Dienstag der Wahlen und 1344 Stimmen

Der "Super Tuesday" ist ein erster Höhepunkt in den US-Vorwahlen. In diesem Jahr ist es bei den Demokraten ziemlich spannend.

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Zahlen, bitte! Ein Super-Dienstag und 1344 Stimmen
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Von
  • Detlef Borchers

Beim Super Tuesday wird am heutigen Dienstag in den Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Maine, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee, Texas, Utah, Vermont und Virginia gewählt, für welchen Präsidentschaftsbewerber der Demokratischen Partei im Juli wie viele Delegierte zur Kür schreiten können.

Auch die Demokraten unter den Auslandsamerikanern stimmen ab jetzt ab, dazu gibt es am Dienstag noch eine Vorwahl in Amerikanisch-Samoa, das jedoch als US-Territorium gilt, also keine Wahlmänner wie die Bundesstaaten abstellt. Bei den Republikanern gibt es ebenfalls Vorwahlen, die dominiert aber erwartungsgemäß Präsident Trump mit aktuell 144 zu 1 Delegierten.

Zahlen, bitte!
Bitte Zahlen

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblĂĽffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natĂĽrlich der Mathematik vor.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt die Bedeutung des Dienstags für die Auslese bei den Demokraten. Entschieden wird am Dienstag über 1344 Stimmen von Delegierten, die an einen Kandidaten oder eine Kandidatin gebunden sind. Nach Berechnungen der Wahlforscher reichen 1991 von insgesamt 4750 Wahlstimmen aus, die Person zu bestimmen, die gegen US-Präsident Trump in die eigentliche Wahl im November 2020 zieht.

Gebundene Delegierte sind Wahlmänner oder Wahlfrauen, die verpflichtet sind, einen Kandidaten oder eine Kandidatin im Sinne ihrer Wähler zu wählen. Bei den Demokraten heißt es über sie: "Delegates elected to the national convention pledged to a presidential candidate shall in all good conscience reflect the sentiments of those who elected them." Insgesamt 3979 Stimmen kommen so zusammen. Zu ihnen kommen diesmal 771 Stimmen derer, die bei den Demokraten Superdelegierte oder "automatic delegates" genannt werden. Das sind Abgeordnete in Senat und Repräsentantenhaus, Gouverneure, ehemalige Präsidenten und verdiente Demokraten, die unter den dann noch verbliebenen Bewerbern wählen können, wen sie wollen. Bei 4750 Stimmen insgesamt kann sich am Super-Dienstag mit 1344 zu vergebenden Wahlstimmen schon eine klare Tendenz abzeichnen, wie es bei den Demokraten weitergeht.

Dies liegt vor allem daran, dass mit Kalifornien und Texas zwei besonders bevölkerungsreiche Staaten wählen. In Kalifornien sind 415 gebundene Delegiertenstimmen zu vergeben (79 Superdelegierte), in Texas 228 (33 Superdelegierte). Nun ist nach den letzten Vorwahlen am Samstag Pete Buttigieg, die Nummer 3 im aktuellen Kandidatenranking der Demokraten, ausgestiegen. Seine Begründung: Demokraten dürfen sich nicht verzetteln und müssen für einen Wechsel im Weißen Haus sorgen. In starkem Kontrast zu dieser Aussage taucht ein anderer demokratischer Bewerber erstmals auf den Wahlzetteln auf, der Multimilliardär Michael Bloomberg, der seinen gesamten Wahlkampf auf diesen Dienstag hin ausgelegt hat. Die Rede ist von 200 Millionen Dollar für Fernsehwerbung in den Staaten, in denen nun gewählt wird, mit Schwerpunkt auf Texas und Tennessee. 2100 angestellte Wahlhelfer sollen die Menschen ermuntern, für Bloomberg zu stimmen.

Damit zurück zu den Delegiertenstimmen und -Zahlen. Nach den Berechnungen der Datenjournalisten und Statistiker von FiveThirtyEight (die Zahl 538 steht für das Wahlkollegium, das schließlich den Präsidenten wählt) musste Buttigieg nach dem starken Abschneiden von Joe Biden damit rechnen, am Super Tuesday nicht die 15 Prozent der gebundenen Delegiertenstimmen zu erreichen, die für ein Weiterkommen bei den Demokraten nötig sind. "Die Umverteilung seiner Stimmen hilft anderen Kandidaten, über die 15 Prozent zu kommen." Sowohl die Senatorin Elizabeth Warren sowie Michael Bloomberg lagen vor dem Dienstag bei 14 Prozent und haben nun Chancen, über die 15 Prozent-Hürde zu kommen. Stimmen die Kalkulationen, so wären nach dem Dienstag neben Warren und Bloomberg nur die Topleute Bernie Sanders und Joe Biden im Rennen.

Danach wird es fuzzy: Wie eingangs erwähnt, sind die gebundenen Delegiertenstimmen nach dem Ausstieg eines Kandidaten, der im Auftrag der Wähler gewählt werden soll, verpflichtet, den Kandidaten oder die Kandidatin mit einem ähnlichen Programm zu wählen. In zwölf Bundesstaaten gibt es nach Angaben der Ballotpedia jedoch Ausnahmen von dieser Regel, die weitere Aussagen über den Gegenkandidaten von Donald Trump schwierig machen.

Mit Blick auf die wechselhafte Geschichte des Super Tuesday seit dem Beginn der Vorwahlen in mehreren Bundesstaaten im Jahr 1984 lässt sich keineswegs sagen, dass der Sieger aus dieser Sammelwahl auch die besten Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur hat. 1988 merkten das die Demokraten, als Walter Mondale den Super Tuesday gewann, doch der vergleichsweise links orientierte Michael Dukakis gegen den Republikaner George H. W. Bush antrat. Mit Bernie Sanders ist diesmal wieder ein linksorientierter Kandidat dabei, der gar das stolze Epitheton "demokratischer Sozialist" für sich beansprucht. Mit Joe Biden steht ihm jemand gegenüber, der als Vizepräsident von Barack Obama auf die Stimmen der schwarzen Bevölkerung setzen kann. Und mit Donald Trump ist ein amtierender Präsident dabei, der das Wahlgeschehen mit seinen Tweets kommentiert und keine Scheu hat, "Fake News" über die Demokraten zu verbreiten. (mho)