Fahrerassistenz-Videosystem mit Echtzeit-3D-Rundumsicht
Ein Fujitsu-Prototyp erlaubt, das eigene Auto in Echtzeit zu sehen und situationsabhängig die Perspektive zu wechseln – zum Beispiel, um beim Rangieren Fußgänger zu erkennen oder sicher auf die Autobahn einzufädeln
- ssu
New York City (USA), 18. November 2008 – Die Entwicklungsabteilung des japanischen Elektronikkonzerns Fujitsu präsentiert derzeit auf dem 15th World Congress on Intelligent Transport Systems (ITS) in New York das eigenen Angaben zufolge weltweit erste Fahrerassistenz-Videosystem, das eine komplette 3D-Rundumsicht in Echtzeit sowie virtuelle Sichten aus verschiedenen Perspektiven auch auf das Fahrzeug und die Fahrzeugumgebung ermöglicht. Das von den Fujitsu Laboratories konzipierte System arbeitet dabei mit insgesamt vier in das Fahrzeug integrierten Kameras, die den Nahbereich rund ums Auto (vorne, hinten, seitlich) abdecken. Die Videobilder werden von einer neuen Projektionssoftware ("3-D virtual projection/point of view conversion technology") so aufbereitet, dass das Fahrzeug in einer Art virtuellen Schale liegt, deren Seitenwände durch nach oben gewölbte 3D-Projektionen gebildet werden.
Perspektivenwechsel nach Bedarf und Fahrsituation
Laut Fujitsu kann nun von jedem Punkt dieser Schalenprojektion aus ein anderer Punkt anvisiert und diese Perspektive innerhalb von 30 Millisekunden auf einem Display im Fahrzeuginneren angezeigt werden. Der Fahrer kann also zum Beispiel beobachten, wie sich die Situation hinter dem Auto darstellt, wenn man sie von einem Bereich vor der Motorhaube aus betrachtet. Ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Ansichten – zweidimensionale Kamerasysteme, Rück- und Seitenspiegel – soll unter anderem sein, dass keine toten Winkel die Sicht einschränken. Dies gelte auch für Abbiege- oder Einparkvorgänge. Als Hardware kommt ein System-on-a-Chip (SoC) zum Einsatz, das Mikroprozessor, Videochip und Speicher vereint und die Grafik-Software OpenGL ES (Open Graphics Library for Embedded Systems) unterstützt, sowie ein spezieller Videochip, der die Bilder der vier Kameras zu einer Art Panorama-Ansicht vereint, ähnlich wie man es von der Fotografie her kennt.
Fahrerassistenz-Videosystem mit Echtzeit-3D-Rundumsicht (5 Bilder)

Einfädeln erleichert
Weiter Weg bis zur Marktreife
Bis zur Marktreife des Systems dürfte es allerdings noch ein weiter Weg sein, was nicht zuletzt an der äußerst gewöhnungsbedürftigen, weil perspektivisch sehr verzerrten Darstellung liegt. Das Gebiet der optischen Fahrerassistenzsysteme ist für Fujitsu eigenen Angaben zufolge aber sehr interessant, weshalb weitere Entwicklungen und Tests folgen sollen. 2007 wurden dem Unternehmen zufolge in Japan bereits über vier Millionen Kamerasysteme für Kfz verkauft. Fujitsu beabsichtigt, Neuentwicklungen auf diesem Sektor "inkrementell" im Automotive-Markt einzuführen.