Carphone Warehouse schließt alle britischen Shops
Der international aufgestellte Elektronikriese Dixon Carphone strukturiert sein Mobilfunkgeschäft neu und schließt über 500 Shops mit 4700 Mitarbeitern.
Demnächst geschlossen: "Carphone Warehouse"-Filiale in London.
(Bild: Shutterstock/Michaelpuche)
Der britische Elektronikhändler Dixons Carphone schließt am 3. April alle seine "Carphone Warehouse"-Läden im Vereinigten Königreich und konzentriert sein Mobilfunkgeschäft auf die großen "Currys PC World"-Filialen. Von dem am Dienstag angekündigten Schnitt sind 4700 Mitarbeiter in 531 Niederlassungen betroffen. Rund 1800 von ihnen sollen andere Jobs in der Gruppe angeboten werden. Die Shops in Irland und in größeren Verbundniederlassungen mit Currys und PC World sollen weiterbestehen.
Im Mobilfunkgeschäft erwartet das Unternehmen in diesem Jahr einen Verlust von 90 Millionen Pfund (rund 99 Millionen Euro). "Die Mobilsparte bremst die gesamte Gruppe", erklärt CEO Alex Baldock in einer Mitteilung des Unternehmens. Für den Teil der Belegschaft, der keine anderen Jobs in der Gruppe bekommt, verspricht Baldock finanzielle und organisatorische Unterstützung.
Kundenverhalten geändert
"Kunden ändern ihr Verhalten, wie sie Technik kaufen, und Dixons Carphone muss sich daran anpassen", sagt Baldock. Nutzer benutzen ihre Smartphones länger und schieben Ersatzkäufe auf. Zudem kaufen immer mehr Kunden ihre Handys nicht zusammen mit einem mehrjährigen Vertrag, was das Provisionsgeschäft der Gruppe belastet.
Deshalb hat Dixon Carphone auch die seine Absatzgarantien mit Netzbetreibern neu verhandelt. Die bestehenden Zielvereinbarungen sollen im Geschäftsjahr 2021, das im Juli beginnt, auslaufen. Das Unternehmen werde damit nicht mehr "durch historisch bedingte Absatzzielvorgaben behindert".
Der 1989 gegründete Mobilfunkvermarkter Carphone Warehouse war 2014 mit der Dixon Retail und ihren Elektronikmärkten zur Dixon Carphone Group verschmolzen. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (Juli bis Dezember 2019) verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 4 Prozent auf 4,7 Milliarden Pfund (5,1 Milliarden Euro). Unterm Strich blieb ein Verlust von 86 Millionen Pfund (94 Millionen Euro), der maßgeblich vom Mobilfunkgeschäft getrieben wurde.
Internationale Elektronikkette
Die Gruppe betreibt Elektronikmärkte und Mobilfunkshops (u.a. "Phone House") in Großbritannien, Irland, Griechenland, den skandinavischen Ländern sowie der Tschechischen Republik und der Slowakei. Ein Joint Venture mit dem Ziel, die amerikanischen "Best Buy"-Märkte in Europa zu etablieren, scheiterte 2011.
2006 hatte Carphone Warehouse das Zugangsgeschäft von AOL UK übernommen, etwas später kam es zur Übernahme von Tiscali UK. Das Unternehmen war damit der zweitgrößte Internetprovider nach dem Ex-Monopolisten British Telecom. 2010 wurde das Netzgeschäft in die TalkTalk-Gruppe ausgegliedert. (vbr)