Comeback für Bananenblätter
In armen Ländern wie dem westafrikanischen Benin verderben zu viele frische Lebensmittel und gekochte Essen. Dabei gibt es eine Lösung.
Traditionell verpacken die Menschen in Benin fermentierten Maisbrei und andere Speisen in frischen Bananenblättern.
(Bild: Barbara Götz / Universität Bonn)
- Veronika Szentpetery-Kessler
In armen Ländern wie dem westafrikanischen Benin verderben zu viele frische Lebensmittel und gekochte Essen. Gründe sind mangelhafte Kühlung, ungeeignete Verarbeitungstechnologien, aber auch schlechte Frischhalteverpackungen. Besonders die üblichen Plastikverpackungen sind zudem ein wachsendes Umweltproblem.
An nachhaltigen und wirkungsvollen Lebensmittelverpackungen, in denen Lebensmittel auch ungekühlt länger halten, forschen nun Wissenschaftler der Université d’Abomey Calavi in Benin und der Universität Bonn. Das Bundesernährungsministerium fördert das „Walf-Pack“ (West African Food Packaging)-Konsortium mit 350000 Euro. Während in Benin umweltfreundlichere Biokunststoffe entwickelt werden, wollen die deutschen Partner traditionelle Naturstoffe wie Pflanzenblätter durch Beschichtungen verbessern.
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Vor allem gekochte Speisen wie Mais- und Cassavabrei werden traditionell in Bananenblättern oder Blättern der immergrünen Wasserpflanze Thalia welwitschii eingepackt. Sie erfüllen eigentlich alle Kriterien einer modernen Verpackung: Sie sind robust, bewahren den Geschmack und schützen beim Transport. „Allerdings werden sie immer mehr von den praktischeren Plastikverpackungen und -tüten verdrängt“, sagt die Bonner Forscherin Barbara Götz. Sie will die umweltfreundlichen Blätter beschichten, sodass sie auch ungekühlte Lebensmittel auf dem Transport länger frisch halten und damit eine attraktive Konkurrenz für Plastik werden.
„Wir versuchen für die Blätter aktive Beschichtungen aus antimikrobiellen Pflanzenextrakten zu entwickeln, die auf die zu verpackenden Lebensmittel zugeschnitten sind“, skizziert Götz die Pläne. „Wir haben lokale Pflanzenkandidaten geschickt bekommen, aus denen wir Pflanzenextrakte herstellen. Die wirksamsten haben wir ausgewählt. Jetzt arbeite ich die Extrakte in natürliche Wachse ein, sodass sie auf den Verpackungsblättern haften“, sagt die Forscherin.
In Kürze sollen die ersten Lagerversuche mit den neuen Naturverpackungen verraten, wie gut sie im Vergleich zu Bioplastiktüten und einer Lagerung ohne Verpackung abschneiden. Testobjekte werden drei häufig konsumierte vitamin- und proteinreiche Lebensmittel sein: der lokale Kuhmilchkäse Wagashi, die afrikanische Garten-Aubergine und gegrillte Hühnchen.
Schon jetzt ahnen die Forscher jedoch, dass sie den Siegeszug der Plastikverpackungen nicht komplett aufhalten werden. „Es geht primär darum, Lebensmittel länger verfügbar zu machen, für den Markt und die Bevölkerung – und zwar mit kostengünstigen lokalen Materialien. Die Umwelt versuchen wir so gut wie möglich mit einzubinden“, sagt Götz. Deshalb entwickeln die auf Lebensmittel- und Ernährungssicherheit spezialisierten Beniner Projektpartner um Sylvain Dabadé zusätzlich bioabbaubare Plastiktüten.
Dafür kombinieren sie vor Ort verfügbare Pflanzenfasern, etwa aus Ananas, Sisal und Raffiabast, mit biologischen Weichmachern wie Glyzerin, Polymilchsäure (PLA) und Polyethylenglykol sowie antimikrobiellen ätherischen Ölen. „Die Verpackung soll die Haltbarkeit der Produkte verbessern und bioabbaubar sein“, sagt Dabadé. Die geeigneten Öle, die die Haltbarkeit verlängern sollen, sind bereits identifiziert. Entsprechende Tests stünden allerdings noch aus.
Das Land erlaubt seit 2018 zwar nur noch Bioplastiktüten, weil sie sich an Licht und Luft schneller zersetzen sollen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Selbst nach mehreren Jahren sind sie oft noch intakt oder nur unvollständig zersetzt. Hinzu kommt, dass Benin de facto keine flächendeckend funktionierende Abfallwirtschaft hat. „Vieles wird einfach irgendwo hingeschmissen“, berichtet Götz. Bleibt zu hoffen, dass sich die geplanten Öffentlichkeitsaktionen zur Vorstellung der Designs – vor Ort bei Lebensmittelketten, aber auch im Fernsehen, Radio und online – dazu nutzen lassen, gleich für eine sinnvolle Entsorgung zu sensibilisieren.
(bsc)