"In Other Waters" angespielt: KI durch Rollentausch
Im Erkundungsspiel "In Other Waters" schlüpft der Spieler in die Rolle eines Computers, der einen Astronauten durch eine faszinierende Alien-Welt führt.
(Bild: Fellow Traveller)
Keine Animationen, keine Action, kein Schnickschnack – "In Other Waters" von Jump over the Edge will anders sein, als alle anderen Erkundungsspiele. Statt auf bunte Bäume und strahlende Sterne blickt der Spieler auf einen nüchternen Radarbildschirm, über den ein Astronaut durch einen Alien-Ozean taucht. "Faszinierend", würde Spock dazu sagen.
Unendlicher Ozean
Die Handlung ist schon vom ersten Moment an rätselhaft: Ein Astronaut landet auf einem Planeten, der mit Wasser bedeckt ist, und macht sich auf die Suche nach seiner verschollenen Kollegin. Überall entdeckt er Spuren fremden Lebens, sammelt Sporen, um sie in der Basis zu analysieren und taucht in immer tiefere Abgründe dieses Ozeans hinab. Der Kniff bei dieser originellen Erkundungstour: Der Spieler übernimmt die Rolle eines Computers, der den Astronauten durch die Untiefen leitet.
In Other Waters angespielt (5 Bilder)

(Bild: heise online)
Als KI muss man das Gelände scannen, um die unterstützte Spielfigur von einem Punkt zum Nächsten zu manövrieren. Das kann manchmal etwas verwirrend sein, wenn sich die Unterwasserwelt zu einem Labyrinth entwickelt. Mit der Zeit findet der Astronaut auch Werkzeuge, mit denen er Türen aufschweißt oder die ihn mit einer Art Turbo durch eine Strömung treiben können.
Ein Hauch Überlebenskampf
Zwar müssen die Spieler immer auf Sauerstoff und Energie achten, aber so richtig gefährlich wird es kaum. Wenn es mal eng wird, hilft die Natur aus: Manche Lebensformen lassen sich hervorragend als Rohstoffe verarbeiten und helfen dem Astronauten durch giftige Pflanzen oder verstrahlte Gebiete hindurch. Andere Pflanzen schaffen Luftblasen oder zerstören Hindernisse. In der Basis können einzelne Proben auch analysiert werden, um mehr von der fremden Fauna und Flora zu erfahren. Schade, dass der spielerische Nutzen der fremden Lebensformen nur angedeutet wird. Meist reichen ein oder zwei Klicks durch die umständliche Benutzerführung, um zum Erfolg zu kommen.
The Longing angespielt
Der Rest des Spiels spielt sich vor allem in den Entdeckungen oder in den Gesprächen zwischen Mensch und Maschine ab. Daraus entwickelt sich eine spannende SF-Kurzgeschichte über das alte Thema des Genres: der Mensch und seine fragwürdige Moral beim Umgang mit Technik und Entdeckerdrang. Das hat in dieser kurzen, minimalistischen Form seinen Reiz, ist aber letztendlich schon oft erzählt worden.
Zwischenfazit
In Other Waters ist minimalistisch, nachdenklich und anders. Die Ausgangslage ist brillant und die Grafik ungewöhnlich, aber umso mehr enttäuscht die spielerische Umsetzung. Im Zusammenspiel zwischen den Werkzeugen und den fremden Lebensformen steckt viel spielerisches Potenzial, das nur angedeutet wird. So bleibt es bei einer kleinen Science-Fiction-Geschichte für Fans, die über die zweifelhaften Errungenschaften der Menschheit grübeln lässt.
In Other Waters ist als Download für Windows und Nintendo Switch erschienen. Es kostet ca. 13 €. USK ab 12.
(dahe)