Roboter als Beschützer von Flüchtlingen

Aktuell werden Drohnen und autonome Systeme fast nur als Mittel zur Abwehr von Flüchtlingen gedacht. Zwei kanadische Forscher wechseln nun die Blickrichtung.

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Roboter als Beschützer von Flüchtlingen

(Bild: alexfan32/Shutterstock.com)

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Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Wenn im Zusammenhang mit Kriegsflüchtlingen von Robotern und Drohnen die Rede war, ging es zumeist um die Sicherung von Grenzanlagen. Jetzt haben zwei kanadische Forscher den Fokus auf den Schutz der Flüchtlinge selbst gelegt.

In der Zeitschrift Intelligent Service Robotics betonen Maxime Vaidis (Université Laval) und Martin J.-D. Otis (Université du Québec à Chicoutimi) in einem Open-Access-Artikel die Schutzbedürftigkeit von Flüchtlingen auf ihren Wegen durch gefährliche Gebiete. Angesichts knapper Ressourcen sei dies bislang aber kaum zu gewährleisten. "Aus diesem Grund wollen wir ein autonomes System entwickeln, das die Überwachung und den Schutz von Migranten ermöglicht", schreiben sie.

Wie Bedrohungen wirksam abgewehrt werden könnten, ist allerdings nicht Thema der Studie, die durch Konzepte zur Erkundung des Mars mithilfe von Roboterschwärmen inspiriert sei, wie Vaidis und Otis erklären. Ihnen geht es zunächst darum, geeignete Algorithmen zu entwickeln, die es den begleitenden Robotern ermöglichen, sich stets so zu positionieren, dass sie einen Ring um die Flüchtlinge bilden und zugleich einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu ihnen einhalten. Außerdem sollen die Roboter in der Lage sein, die Bewegungen der Menschen zu erfassen und daraus die eigene Bewegungsrichtung abzuleiten. Schließlich müssen sie auch Fehlfunktionen einzelner Roboter erkennen und deren Ausfall durch Neupositionierung der verbleibenden Roboter ausgleichen können.

Für den Außeneinsatz denken die Forscher an eine Kombination aus Flug- und Bodenrobotern. Beim Test des Konzepts im Labor wurde der Flugroboter jedoch durch ein Motion Capture System ersetzt, das die Positionsdaten der Personen an die Rover übermittelt. Im Experiment bewährte sich der Ansatz, der in zukünftigen Studien weiter entwickelt werden soll.

In der aktuellen Studie geht es zunächst lediglich darum, eine Menschengruppe mit Robotern zu umzingeln und ihr zu folgen. Das kann gleichermaßen in freundlicher als auch in feindlicher Absicht geschehen, wobei Forschungen zur militärischen und polizeilichen Überwachung oder Abwehr von Menschenmengen mittels Roboterschwärmen bislang zu überwiegen scheinen, aber auch Gegenbeispiele kennt. Mit ihrer klaren Ausrichtung auf den Schutz von (nicht: vor) Flüchtlingen haben Vaidis und Otis nun ebenfalls eine neue, vielversprechende Richtung eingeschlagen. (mho)