Automobilelektronik: Im Osten viel Neues

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Von
  • Gernot Goppelt

Der Schwerpunkt des globalen Automobilmarkts verschiebt sich nach Osten. Darauf reagieren Automobilhersteller und -zulieferer, die ihre Aktivitäten unter anderem in Russland und Fernost ausbauen. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Strategy Analytics werden im Jahr 2014 asiatische Automobilhersteller für 42 Prozent der weltweiten Automobilproduktion verantwortlich sein, derzeit sind es bereits 39 Prozent. Vor allem US-Hersteller werden demnach Anteile verlieren. 2009 zieht China demnach als Produktionsstandort an Japan vorbei, 2011 an den USA.

Diese Verschiebungen betreffen auch Zulieferunternehmen, die heute die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Zulieferer von elektronischen Systemen müssen sich nun überlegen, wie sie die „traditionell schwachen Beziehungen“ in asiatische Märkte und zu asiatischen Herstellern verbessern können. Dabei bieten laut der Studie „Automotive System Demand 2005 to 2014“ elektronische Sicherheitssysteme das größte Wachstumspotenzial. In diesem Bereich prognostiziert Strategy Analytics zwischen 2006 und 2011 jährliche Wachstumsraten von 13 Prozent. Das liege zum Großteil an gesetzlichen Regelungen, zum Beispiel der Forderung nach Reifendruck-Kontrollsystemen in Nordamerika, Notrufsystemen wie eCall – aber auch am Erfolg von Fahrerassistenzsystemen wie Abstandsregeltempomaten, Spurhalteassistenten oder dem adaptiven Kurvenlicht.

Bisher tragen noch immer elektronische Steuergeräte im Antriebsbereich den größten Anteil zur Wertschöpfung bei. Deutsche Zulieferunternehmen wie Bosch oder Continental, immerhin auf Platz 1 und 5 der weltweit tätigen Zulieferer, konkurrieren dabei aus heutiger Sicht vor allem mit dem japanischen Zulieferer Denso (Platz 2) und der amerikanischen Firma Delphi (Platz 3), allesamt Unternehmen, die stark in der Elektronikentwicklung sind. Derzeit punkten die Zulieferer in Wachstumsmärkten wie Indien vor allem mit „klassischer“ Elektronik, die in den alten Märkten längst Standard sind. So überrascht es zum Beispiel nicht, dass Bosch „abgespeckte“ Varianten von Motorsteuergeräten anbietet, um diesen Markt erfolgreich bedienen zu können.

Wer im „Osten“ Erfolg haben will, braucht also außer moderner Technik auch marktangepasste einfache Lösungen – und vor allem das Geschick, sich den anderen Kulturen anzupassen. Derzeit scheinen sich zwei große deutsche Zulieferer in der Weltspitze etabliert zu haben. Doch gerade wegen der ungewöhnlich hohen Wachstumsraten im Elektronikbereich könnte es jederzeit heißen: Im Osten viel Neues. (ggo)