Deutsche Umwelthilfe befürchtet hohe Dunkelziffer funktionsloser Rußfilter

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Von
  • ssu

Die Zahl funktionsloser Nachrüst-Rußpartikelfilter in deutschen Autos könnte noch deutlich höher ausfallen als bisher angenommen, das befürchtet die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH). Im Herbst 2007 war die DUH aufgrund eigener Marktrecherchen von mindestens 60.000 „Betrugsfiltern“ ausgegangen. Heute veröffentlichte die DUH jedoch die Ergebnisse einer Umfrage, die der Verein bei den Finanzministerien der Länder durchgeführt hat: Der zufolge liegt die Gesamtzahl steuerlich geförderten Partikelfilter-Nachrüstungen in den Jahre 2006 und 2007 bei insgesamt 270.591 – eine Tabelle mit den nach Bundesland aufgeschlüsselten Ergebnissen ist als PDF-Datei verfügbar

Dieser Wert liege um rund 100.000 oder 60 Prozent über der zuletzt am 5. März 2008 von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel anlässlich einer gemeinsamen Sitzung der Bundestagsausschüsse für Umwelt und Verkehr genannten Zahl von 170.000 Nachrüstfiltern. Damit verdichten sich nach Ansicht der DUH die Hinweise, dass erheblich mehr als die bisher angenommenen Betrugsfilter verbaut worden seien. Unklar bleibe jedoch, wie viele der „neu aufgetauchten“ 100.000 Nachrüstfilter den Herstellern nicht funktionierender Systeme (GAT, Tenneco, Ernst und Bosal) zuzuordnen seien.

Dem Kraftfahrtbundesamt und dem Bundesverkehrministerium wirft die DUH vor, die Herausgabe aktueller Einbauzahlen der registrierten Betrugssysteme zu verweigern. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch kündigte daher eine Untätigkeitsklage vor dem Verwaltungsgericht Berlin an, um die Herausgabe der Zahlen zu erzwingen.

Ferner mahnt die Umweltorganisation die Veröffentlichung der angeblich schon für November 2007 angekündigten Nachprüfungen aller auf dem Markt befindlichen Partikelfiltersysteme durch das Kraftfahrtbundesamt an. Ende März hatte der ADAC aktuellen Nachrüst-Systemen von HJS, TwinTec, Remus und Volkswagen in einem Test gute Noten erteilt. Diese Testergebnisse bezeichnet auch die DUH als erfreulich, umso unverständlicher sei, warum die amtlichen Prüfergebnisse des Kraftfahrtbundesamtes angeblich immer noch nicht vorlägen. (ssu)