Chrysler und Nissan kooperieren bei neuen Modellen

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Von
  • Gernot Goppelt

Die Automobilhersteller Chrysler und Nissan haben eine Vereinbarung getroffen, nach der Nissan für Chrysler einen Kleinwagen baut und Chrysler im Gegenzug ein Pick-up-Modell für Nissan. Der Kleinwagen ist eine Chrysler-Neuentwicklung, die ab 2010 in Europa, Nordamerika und anderen Märkten vertrieben werden soll. Den neuen Pick-up, der in Chryslers Werk Saltillo in Mexiko gefertigt wird, hat Nissan entwickelt. Er soll ab 2011 in Nordamerika verkauft werden.

Laut Chrysler ist die Vereinbarung die Fortsetzung eines bereits seit langer Zeit bestehenden Austauschs. Demnach hat die Nissan-Tochter JATCO Chrysler bereits seit 2004 mit Getrieben beliefert. Für Chrysler-Vizepräsident Tom LaSorda eröffnet die Vereinbarung für den amerikanischen Autobauer die Möglichkeit, die „inherenten Stärken“ des Unternehmens einzubringen, so zum Beispiel die Fähigkeit „schnell zu reagieren und kreativ auf neue Chancen zu reagieren“. Zudem seien die richtigen taktischen Partnerschaften von kritischer Bedeutung für Chryslers langfristigen Erfolg.

Für die Amerikaner bietet sich nach dem schmerzhaften Ausstieg von Daimler nun die Möglichkeit, auf das Kleinwagen-Knowhow von Renault/Nissan zurückzugreifen. Bisher hatten die Amerikaner in diesem Bereich wenig Konkurrenzfähiges anzubieten, und das in Zeiten, in denen selbst amerikanische Kunden notgedrungen das Spritsparen entdeckt haben. Mit überdimensionierten Personenwagen jeglicher Art lässt sich in den USA kaum noch ein Geschäft machen. Immerhin bietet der von Nissan konstruierte Pick-up nun die Möglichkeit, Fertigungskapazitäten weiterzunutzen, die beim veränderten Käuferverhalten ansonsten abgeschrieben werden müssten.

Ob Renault/Nissan-Chef Carlos Ghosn bei der Vereinbarung auch den Markteintritt von Renault im US-Markt im Hinterkopf hat, bleibt vorläufig offen. Fusionspläne mit General Motors waren 2006 gescheitert. Laut Chrysler haben sich beide Unternehem vorläufig darauf geeinigt, weitere Möglichkeiten des Produktaustauschs „im offenen Dialog zu erkunden“. Carlos Ghosn ist dabei in einer komfortablen Lage – für Chrysler könnte es dagegen eine der letzten Chancen sein, um der weltweit steigenden Nachfrage nach verbrauchsgünstigen Fahrzeugen profitabel begegnen zu können. (ggo)