EU-Parlamentarier wollen Übergangsfristen für CO2-Grenzwerte

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Von
  • ssu

Deutsche Autohersteller können im Streit über die Grenzwerte für den Kohlendioxidausstoß je Kilometer mit einer deutlichen Entlastung rechnen. Im Europaparlament zeichne sich ein Kompromiss zwischen den Sozialisten und der konservativen EVP-Fraktion ab, der der Autobranche mehr Zeit ließe, die neuen Grenzwerte zu erreichen. Dies berichtet die FAZ in ihrer heutigen Ausgabe.

Das Blatt zitiert den Vorsitzenden der CDU-Gruppe im Europaparlament, Werner Langen, mit dem Vorschlag, dass die Autohersteller zunächst nicht mit ihrer gesamten Produktpalette, sondern nur mit einem Teil der Fahrzeugflotte im Durchschnitt unter einem CO2-Ausstoß unter 130 g/km liegen müssten: Dem Vorschlag zufolge müssten 2012 lediglich 25 Prozent der Flotte diesen Grenzwert einhalten, ein Jahr darauf bereits die Hälfte. 2014 müssten immerhin schon drei Viertel und 2015 dann die ganze Fahrzeugflotte diesen Grenzwert einhalten.

Dieses Szenario wäre eine erheblich Erleichterung gegenüber der Absicht der EU-Kommission, die schon ab 2012 die gesamte Fahrtzeugflotte mit einem Grenzwert belegen will, der mit 120 g/km zudem strenger ausfällt als der von den Parlamentariern nun angepeilte Wert. Schon im Januar hatten EU-Parlamentarier verlangt, diesen Wert auf 125 g/km abzumildern. Ende Februar hatte der europäische Autoherstellerverband ACEA unter Hinweis auf die Modellzyklen Übergangsfristen beim Kohlendioxid-Ausstoß gefordert.

Während der ACEA mit Bezug auf die Übergangsfristen offensichtlich erfolgreiche Lobby-Arbeit geleistet hat, folgen die Parlamentarier weiter dem Vorschlag der EU-Kommission, was die Lastenverteilung zwischen den Herstellern großer und kleiner Wagen angeht: Die Hersteller großer Fahrzeuge haben es bei der CO2-Reduktion demnach buchstäblich schwerer als die Fabrikanten von Kleinwagen: Der Kommissionsvorschlag vom Dezember 2007 sieht vor, dass ein Fahrzeug mit dem doppelten Gewicht eines Kleinwagens gerade einmal 60 Prozent mehr CO2 ausstoßen darf. Dieses Szenario weckt vor allem den Unmut deutscher Premium-Hersteller, während französische Autobauer frohlocken. Die Gespräche zwischen französischer und deutscher Regierung über die Lastenverteilung seien jedoch ins Stocken geraten, berichtet die FAZ.

Immerhin würden es in die Mitte des kommenden Jahrzehnts ausgedehnte Übergangsregelungen auch den Herstellern von Oberklasse- oder Sportwagen erleichtern, nach Alternativen zu suchen. So will Daimler bereits im kommenden Jahr eine Variente der S-Klasse mit Hybridantrieb auf den Markt bringen. Dank einer neuen Generation doppelt aufgeladener 4-Zylinder-Diesel steht zudem eine kleine Kulturrevolution in Untertürkheim ins Haus: Mit Trend zum Downsizing könnte es erstmal ein S-Klasse-Modell mit Vierzylindermotor geben.

Eine weitere Möglichkeit, den CO2-Flottenausstoß zu reduzieren, bestünde darin, die Modellpalette um kleine, besonders verbrauchsarme Fahrzeuge zu ergänzen. So prognostiziert der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch in einem heute im Stern veröffentlichten Interview , dass ein 1-Liter-Auto womöglich noch in diesem Jahrzehnt, spätestens aber 2011 auf den Markt kommen werde. (ssu)