US-Zulassungszahlen: Desaster für die einheimischen Marken
- Gernot Goppelt
Nach einem Bericht des Informationsdienstes just-auto wirken sich die steigenden Kraftstoffpreise nun auch deutlich im Kaufverhalten der US-Amerikaner aus. So sei der Absatz von Pick-ups und SUVs im Mai 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26,5 Prozent gesunken, während der Verkauf von Pkw nur um 1,5 Prozent zurückging. Bei einheimischen Pkw betrug der Rückgang sogar 5,1 Prozent, während die Importmarken um 6,4 Prozent zulegen konnten. Im Vergleich der ersten fünf Monate von 2008 und 2007 sieht es weniger schlimm aus. Offensichtlich hat also die Spritpreis-Diskussion letzten Wochen das Kaufverhalten deutlich beeinflusst.
Schlimm hat es im Maivergleich die amerikanischen Marken erwischt. Um es mit den Worten des Kollegen von just-auto zu sagen: „Ein angespannter Blick auf die Spalte ‚Verkäufe nach Marke’ enthüllt ein Massaker unter den einheimischen Marken“. Demnach verlor General Motors bei den „Light Vehicles“ 30,2 Prozent, Chrysler 28,4 Prozent und Ford 18,7 Prozent, in der Tat ein Desaster, dass rational kaum zu begründen ist. Zusammen verloren die amerikanischen Marken im Maivergleich 26,4 Prozent, betrachtet man die ersten Monate des Jahres, waren es „nur“ 15,4 Prozent. Kein Wunder, dass beispielsweise Chrysler-Präsident Jim Press sagt: „Es deutet sich eine neue Ära bei der Restrukturierung der amerikanischen Wirtschaft an. Es gibt einen nie dagewesene Wandel, der uns herausfordert. Doch wir sind entschlossen, den Kunden zu bieten, was sie brauchen und wollen.“
Die asiatischen Marken kamen wesentlich besser davon, sie verloren im Maivergleich nur 0,2 Prozent. Ein positives Highlight war dabei der Honda Civic mit 11,3 Prozent Steigerung, ein klares Signal, dass günstiger Preis und weniger Verbrauch den Amerikanern immer wichtiger wird. Bei den deutschen Marken verlor Porsche mit seiner „Flotte von Spritsäufern“ 19,6 Prozent, VW nur 4,4 Prozent und BMW 0,7 Prozent. Daimler konnte dagegen seinen Absatz um 10,1 Prozent steigern. BMWs US-Chef Tom Purves sieht in den Ergebnissen, „dass die Käufer von Premiumfahrzeugen trotz des kleinen Rückgangs im Mai aktiv bleiben“. In der Betrachtung Januar bis Mai sah es für die Deutschen im Vergleich zum Vorjahr ohnehin nicht schlecht aus: 1,1 Prozent gewannen „Germany´s finest“, wobei Porsche 14,8 Prozent verlor und Daimler 10,1 Prozent gewann.
Die drastischen Worte, die amerikanische Beobachter und Unternehmenschefs verwenden, deuten auf eine Entwicklung hin, die vor allem für Chrysler schwer zu bewältigen sein dürfte. GM und Ford könnten relativ schnell auf europäische Technik zurückgreifen, wie es etwa beim Opel Astra oder Ford Focus bereits der Fall ist. Chrysler dagegen stehen wohl harte Zeiten bevor. (ggo)