Experte: "Chrysler wird verschwinden"

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Von
  • Gernot Goppelt

In zehn bis 20 Jahren werden ein indischer und zwei chinesische Autobauer neben Toyota, Hyundai Kia, Volkswagen, GM und Ford zu den dominierenden Herstellern der Welt gehören. „Chrysler wird verschwunden sein“, sagt Branchenkenner Ralf Kalmbach von der Unternehmensberatung Roland Berger dem Technologiemagazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 9/2008.

Mit dem Eintritt von Herstellern aus Entwicklungsländern in den Automobilbau habe sich die Branche grundlegend verändert. Der indische Autohersteller Tata zeige mit seinem Nano, dass ein Auto mit überschaubarer Grundfunktionalität und wenig Komfort nur 1700 Euro kosten muss. Produktionskosten spare der Hersteller etwa, indem er einfache Technik einsetze und Komponenten nutze, die Zulieferer bereits entwickelt haben. So hat beispielsweise Bosch für den Nano eine Motorsteuerung entwickelt, die auf einem Motorradsystem beruht und mit überschaubarem Aufwand weiterentwickelt wurde – trotz geringer Kosten wirft es für den Zulieferer einen ansehnlichen Profit ab. Auch bei der Sicherheit gibt es laut Kalmbach zwar große Abstriche. Doch „ein Tata Nano ersetzt ja nicht einen VW Polo, sondern ein Zwei- oder Dreirad. Der Sicherheitsgewinn für den Kunden ist trotz der einfacheren Technik enorm“.

Die Kosteneffizienz des indischen Herstellers habe Konsequenzen für die etablierte Autoindustrie. Denn schon jetzt seien viele Kunden nicht mehr bereit, viel Geld für ein Auto zu zahlen. „In der Vergangenheit wurden zwar die Zulieferer geknebelt, aber der Gesamtprozess nicht optimiert. Jetzt können die etablierten Hersteller von den Billigproduzenten lernen, dass sie nicht mehr alles neu machen müssen – stattdessen können sie Standards übernehmen und dort Ressourcen einsparen, wo ohnehin ein Zulieferer die Entwicklung macht.“

2007 hatte die damalige DaimlerChrysler AG Chrysler abgestoßen, die entstandene Chrysler LLC kämpft seitdem mit harten Einschnitten um Profitabilität. Doch nicht nur um Chrysler, sondern auch um Ford und General Motors machen sich Analysten Sorgen. So wurde im vergangenen Juni berichtet, dass die drei Autobauer zwar ausreichend liquide seien, um das Jahr 2008 zu überstehen. Doch sie müssten schnellstens Modelle auf den Markt bringen, die der Markt verlangt und im Gegenzug die Produktion von Ladenhütern wie SUVs und „Trucks“ einstellen.

Doch während GM und Ford im eigenen Konzern unter anderem Zugriff auf europäische Technik haben, kann Chrysler sein Modellprogramm kurzfristig nur mit Hilfe anderer Hersteller auffrischen. Im ruinösen Rennen um innovative Produkte zu günstigen Preisen sind das keine guten Voraussetzungen. (ggo)