"Big Three" bitten um 50 Milliarden Dollar aus Washington

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Von
  • Gernot Goppelt

Der Druck auf die drei großen amerikanischen Automobilhersteller wächst weiter. Gut 25 Milliarden Dollar Verluste machten allein GM und Ford im zweiten Quartal 2008, schreibt das Wall Street Journal. General Motors häufte laut NZZ innerhalb von drei Jahren 70 Milliarden Dollar Verluste an, davon im Letzten Quartal 15,5 Milliarden Dollar. Ford steht mit 8,7 Milliarden Minus in diesem Zeitraum noch ganz gut da, bei Chrysler wird bereits offen über das Ende des Unternehmens spekuliert.

Die US-Autobauer wurden besonders in der ersten Jahreshälfte 2008 hart getroffen: Mehr noch als die Europäer reagierten die amerikanischen Kunden durch verändertes Kaufverhalten auf die steigenden Spritpreise. Fahrzeuggattungen wie „Trucks“ und SUVs lassen sich kaum noch verkaufen, stattdessen stehen kleinere Autos plötzlich hoch im Kurs. Ganze Fabriken werden auf den neuen Bedarf umgestellt, die SUV-Marke Hummer wird gar völlig infrage gestellt.

Letztes Jahr hatte die US-Regierung den „Big Three“ verbilligte Kredite von 25 Milliarden Dollar zugesagt, die allerdings noch nicht ausgezahlt worden sind, vor allem unter den Republikanern war das Programm umstritten. Doch nun, rechtzeitig vor den Präsidentenwahl, drängen die Autobauer lautstark auf eine Erhöhung der Kredite auf 50 Milliarden Dollar, um die Entwicklung spritsparender Fahrzeuge möglichst schnell vorantreiben zu können.

Es verwundert nicht wirklich, dass die beiden Kandidaten wohlwollend reagieren. Der Republikaner John McCain, ursprünglich eigentlich ein Gegner der Milliardenkredite, unterstützt nun die Zuwendungen, damit die Automobilindustrie „im internationalen Wettbewerb nicht den Anschluss verpasst“, zitiert die NZZ. Barack Obama sprach sich dafür aus, den Unternehmen „in den nächsten Jahren zusätzliche Hilfe zukommen zu lassen, um sicherzustellen, dass fortschrittliche und spritsparende Fahrzeuge zukünftig in den USA gebaut werden“. Keiner der beiden Kandidaten möchte bei der Wahl auf die Stimmen aus den „Swing States“ Staaten Michigan oder Indiana verzichten, in denen die amerikanische Automobilindustrie traditionell konzentriert ist.

Chrysler hatte 1979 schon einmal in letzter Not ein Finanzspritze von 1,5 Milliarden Dollar erhalten, um einen Bankrott abzuwehren. Als eine derartige „Notbeatmung“ sieht David Cole, ein amerikanischer Analyst, die derzeit genannten Summen freilich nicht: „Die Regierung verhält sich in diesem Fall eher wie eine Bank – denn sie betrachtet die schlimmen Folgen einer schweren Fehlentwicklung in der Automobilindustrie“. Welche Schlüsse die „Bank“ daraus zieht, sagt er nicht, das wird sich vermutlich erst nach der Präsidentschaftswahl zeigen. (ggo)