Europas Autobauer wollen Milliarden-Kredite für Entwicklung sparsamer Autos

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Von
  • Gernot Goppelt

Angesichts der Bankenkrise befürchten die europäischen Automobilhersteller, dass das sinkende Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft auch den Automarkt beschädigt. Nachdem die US-Regierung den amerikanischen Autobauern vergangene Woche einen zinsvergünstigten Kredit von 25 Milliarden Dollar bewilligte, bitten nun auch die europäischen Hersteller die EU um einen vergünstigten Kredit von 40 Miliarden Euro zur Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge. Zudem wünscht man sich für die Dauer von 36 Monaten staatliche Anreize für Besitzer von Autos, die älter als acht Jahre sind, um den Kauf eines Neuwagens schmackhaft zu machen. Das meldete heute die ACEA, welche die Interessen der europäischen Automobilhersteller vertritt.

Vor allem hinsichtlich der geforderten CO2-Emissionen von zukünftig 120 g/km im Durchschnitt würden es die Fördermaßnahmen „realistischer“ machen, die Emissionsvorgaben zu erreichen. „Die Autobauer sehen sich zunehmend zögerlichen Konsumenten gegenüber und fordern daher die Regierungen auf zu reagieren: die Wirtschaft anzukurbeln, die Kreditkrise zu entschärfen und das Verbrauchervertrauen wiederherzustellen“, erklärte Christian Streiff, PSA-Chef und Präsident der ACEA. „Die von uns vorgeschlagenen Kredite werden den Käufern und den Finanzmärkten ein wichtiges und willkommenes Signal liefern“.

Laut ACEA machen Autos, die älter als 8 Jahre sind, 36 Prozent des Fahrzeugbestands aus. Ihr Ersatz durch Neuwagen würde die CO2-Emissionen des gesamten Pkw-Bestands um 4,5 Prozent senken. Im vergangenen Jahrzehnt hätten die Autobauer den Ausstoß ihrer Flotte bereits um 14 Prozent senken können, ein Erfolg, den keine andere Industrie vorzuweisen habe. Diese Arbeit wolle man fortsetzen, doch man glaube, „dass die Regierungen mehr tun können, um unsere bereits beträchtlichen Investitionen und Leistungen zu unterstützen“.

Dass die Forderung der ACEA eine Woche nach der Kreditzusage für die amerikanische Automobilindustrie kommt, ist wohl kein Zufall. Bereits Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte der Financial Times gegenüber auf mögliche Wettbewerbsnachteile hingewiesen, wenn nicht gleiche Bedingungen für europäische und amerikanische Autobauer herrschen. Doch wirklich leicht macht es auch die US-Regierung den dortigen Autobauern nicht. Sie sollen verbilligte Kredite nur bekommen, wenn neuentwickelte Autos 25 Prozent weniger verbrauchen als aktuelle, vergleichbare Fahrzeuge und wenn dafür mindestens 20 Jahre alte Fabriken umgerüstet werden.

Die Argumentation der ACEA wäre wohl beliebig auf andere Branchen erweiterbar, denn die Automobilindustrie ist nicht die einzige, die unter der Bankenkrise zu leiden hat. Doch dass selbst PSA-Chef Streiff so laut nach dem Staat ruft, zeigt, dass die Sorgen der Autobauer groß sind. Immerhin steht er selbst mit PSA einem Unternehmen vor, das beim Flottenverbrauch mit weniger Problemen zu kämpfen hat als die deutschen „Premium-Hersteller“. Doch andererseits funktioniert das Geschäft mit Klein- und Mittelklassewagen nur über hohe Stückzahlen und gesunde Margen. Wenn die EU nicht helfen will, passen wohl nicht mehr alle europäischen Hersteller in ein Boot. (ggo)